Meinungen zur sogenannten Schnüll-Planung (2002)

Übersicht

  • Stellungnahme zur Ausbauplanung Büro Schnüll, von Friedrich Boltz
  • Verweis auf das Gästebuch
  • Link zu den vorhandenen Planungsunterlagen des Büro Schnüll Haller und Partner

Stellungnahme zur Ausbauplanung Büro Schnüll Stand Ende Mai 2002


Vorbemerkungen:

Ziel eines Um- und Ausbaus muss es sein, einerseits die vorhandenen Qualitäten und Potenziale zu nutzen, zu erhalten, auszubauen bzw. wiederherzustellen und andererseits die bestehenden Defizite und Probleme zu beseitigen oder zumindest zu mindern.

Maßstab für die Qualität der Planung ist der HEUTIGE Zustand, die zu erwartenden Verbesserungen oder Verschlechterungen sind daran zu messen.

Der Um-/Ausbau der Königsbrücker Staße verändert nicht nur die verkehrlichen Situation, sondern ist ebenso ein Umbau der stadträumlichen Gestalt der Straße und hat erhebliche Auswirkungen auf die Wohnqualität und Situation der Gewerbetreibenden. Diese Aspekte sind gleichwertig mit zu berücksichtigen.


1. Qualitäten und Potenziale

1. 1. Es existiert eine vielfältige Nutzungsmischung von Handel, Gewerbe, Wohnen auf einer wichtigen Einkaufsstraße Dresdens. Der Leerstand ist vergleichsweise gering, die Häuser sind zu einem großen Anteil in gutem Zustand bzw. wurden seit 1990 saniert.

1. 2. Breite Fußwege

1. 3. Die denkmalgeschützten – z. T. aufwändig sanierten – Häuser mit Vorgärten im unteren Bereich und das Begleitgrün und Vorgärten auf der westlichen Seite sind stadtbildprägend und bieten eine hohe Aufenthaltsqualität für Fußgänger. Die nur ca. 11 m breite Straße kann an vielen Stellen konfliktarm von Fußgängern gequert werden.

1. 4. Die Allee zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee mit dem historischen Reitweg bietet ein großes stadtgestalterisches Potenzial und hat eine große mikroklimatische Wirkung.

1. 5. Das Nebenzentrum an der Kreuzung Königsbrücker Straße/Bischofsweg wird durch den Platz vor der Schauburg geprägt, es bietet eine hohe Aufenthaltsqualität für Fußgänger und wertet die Geschäftslage der angrenzenden Straßenabschnitte deutlich auf.


2. Defizite und Probleme

2. 1. Es ist keine Vollspur neben dem Straßenbahngleis vorhanden, dadurch kommt es zur Behinderung der Straßenbahn durch breite Fahrzeuge (LKW).

2. 2. z. T. schlechter Fahrbahnzustand (Kopfsteinpflaster) => Lärmbelastung

2. 3. keine Radverkehrsanlagen vorhanden

2. 4. ungeordneter ruhender Verkehr

KEIN Defizit ist die grundsätzliche Leistungsfähigkeit der Straße für den Kraftfahrzeugverkehr.

KEIN grundsätzliches Problem ist die Lage und Gestaltung der Haltestellen.

KEIN grundsätzliches Problem ist die Leistungsfähigkeit der Kreuzung Königsbrücker Straße/ Bischofsweg.


3. Defizite abbauen/mindern:

3. 1. Durch eine geringfügige Verbreiterung der Fahrspur neben dem Staßenbahngleis ist dieses Problem zu beseitigen, eine Fahrspurbreite von ca. 3,00 m ist ausreichend (vorbeifahren der Straßenbahn an einem langsam fahrenden LKW möglich), 3,50 m sind reichlich bemessen. (Derzeit stehen ca. 2,00 m zur Verfügung.) Das Straßenbahngleis muss dann für Havariefälle, das Überholen (sehr) langsam fahrender KFZ und das Vorbeifahren an Müll- und Lieferfahrzeugen überfahrbar sein.

3. 2. Allein der Wechsel des Fahrbahnbelages erbringt eine deutliche Lärmreduzierung, dies gilt gleichermaßen für alle denkbaren Um-/Ausbauvarianten.

3. 3. Da derzeit keine Radverkehrsanlagen vorhanden sind, bringt jede Einordnung von Radverkehrsanlagen eine deutliche Verbesserung. Die konkrete Ausgestaltung sollte in der Ausführungsplanung diskutiert werden und die gesamte stadträumliche Situation berücksichtigen.

3. 4. Die Parkmöglichkeiten entlang der Königsbrücker Straße sind für die wirtschaftliche Situation der ansässigen Händler/ Gewerbetreibenden bedeutsam. Gleichzeitig bestehen Nutzungsansprüche der Anwohner. Die Ein-/Neuordnung des ruhenden Verkehrs muss einen Kompromiss zwischen diesen Nutzungswünschen und der gesamten städtebaulichen Situation finden. Eine Bewirtschaftung (Kurzzeitparken, gebührenpflichtiges Parken) erscheint unumgänglich.


4. Qualitäten und Potenziale nutzen, erhalten, ausbauen oder wiederherstellen

4. 1. Die wirtschaftliche Situation der ansässigen Händler/ Gewerbetreibenden wird durch eine Verbreiterung der Straße zugunsten des fließenden Verkehrs negativ beinflußt. Diese Beeinträchtigung ist umso stärker, je stärker in die Fußwege eingegriffen und die Stellplatzzahl reduziert wird. Gleichzeitig wird mit jeder Verbreiterung der Fahrbahn die Querung für Fußgänger erschwert, die geplanten Haltestelleninseln für die Straßenbahn stellen zusätzliche Barrieren dar. Deutlich günstiger sind Kap-Lösungen wie auf der Lenné-Straße oder auf dem Bischofsweg (Ecke Görlitzer Straße), damit können die Haltestellen ohne Aufweitung des Straßenraumes behindertengerecht und fahrgastfreundlich gestaltet werden. Dies ist allerdings nur bei einer zweispurigen Ausbauvariante möglich.
Aus Sicht der Anlieger sollte die vorhandene Aufteilung des Straßenraumes weitgehend erhalten bleiben und im wesentlichen lediglich der Fahrbahnbelag zur Lärmminderung ausgetauscht werden. Jede darüber hinausgehende Verbreiterung der Fahrbahn zugunsten des Durchgangsverkehrs verschlechtert die Wohn- und Einkaufsqualität und ist daher auf das unbedingt erforderliche Maß zu begrenzen.

4. 2. Die breiten Fußwege lassen zusätzliche Nutzungen für Werbung und Auslagen zu. Trotz der hohen Verkehrsbelastung bestehen durch den räumlich recht großen Abstand zur Fahrbahn vergleichsweise gute Bedingungen für die Fußgänger. Dies ist weitgehend so zu erhalten.

4. 3. Die Vorgärten sind eine wesentliches Qualitätsmerkmal der z. T. denkmalgeschützten Häuser auf der Westseite der Königsbrücker Straße. Jeder Eingriff in diese Vorgärten führt zu einer Minderung der städtebaulichen Qualität und zu einer Entwertung der Grundstücke. Gleiches gilt für Großbäume, Grün- und Freiflächen im öffentlichen Straßenraum. Die Eingriffe sind zu minimieren

4. 4. Die Allee mit dem historischen Reitweg im Abschnitt zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee mit dem markanten dreireihigen Baumbestand ist schutzwürdig, sie ist zu erhalten und durch Neu- und Ersatzpflanzungen auf den bisherigen Baumstandorten zu ergänzen.

4. 5. Sowohl die Königsbrücker Straße als auch die angrenzenden Bereiche des Bischofsweges sind Wohn- und Geschäftsstraßen. Die Kreuzung beider Straßen bildet ein wichtiges Nebenzentrum und sollte mit dem Vorplatz vor dem Kino Schauburg weitgehend erhalten bzw. gestärkt werden.


5. Aktuelle Planung (Büro Schnüll)

Die Planung ist wohl gegenüber einer „vollständig vierspurigen Variante“ eine deutliche Verbesserung, allerdings werden die wesentlichen Probleme der bisherigen Planungen nicht beseitigt:

Der KFZ-Verkehr soll auf einer jeweils 5,50 m „überbreiten“ Fahrspur je Richtung zweispurig neben dem Straßenbahngleis geführt werden, die Eingriffe in die Vorgärten im südlichen Abschnitt ab Albertplatz sind groß. Lediglich zwischen Louisenstraße und Bischofsweg soll eine Fahrspur je Richtung auf dem Straßenbahngleis verschwenkt werden, um so Platz zu sparen. Vor der Schauburg soll es zu einer enormen Aufweitung der Straße auf fünf Fahrspuren (je Richtung zwei Geradeausspuren und eine Linksabbiegerspur stadtauswärts) neben dem Straßenbahngleis kommen. Dazu ist in diesem Bereich noch eine 3,50 m breite Haltestelleninsel geplant. Das bedeutet eine Verbreiterung der Straße von jetzt ca. 11 m auf rund 24 m, damit entfällt der Freiplatz vor der Schauburg und das Nebenzentrum Königsbrücker Straße/ Bischofsweg wird als Geschäftslage völlig entwertet.

Zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee wird die Straße autobahnähnlich ausgebildet. Zwar sind straßenbegleitend Baumpflanzungen vorgesehen, jedoch kann aufgrund der Straßenbreite kein Kronenschluss erreicht werden, so dass der Alleecharakter verloren geht. Die dritte Baumreihe wird vollständig entfernt, der historische Reitweg ist nicht mehr erkennbar.


6. Forderungen/Bewertungen

Die Planung ist einseitig auf den (vorbei-)fließenden Verkehr orientiert, greift tief in die städtebauliche Gesamtsituation ein und entwertet die Straße in ihrer Wohn- und Geschäftslage, sie kann so nicht akzeptiert werden. Bei der Überarbeitung der Planung sind folgende Vorgaben zugrundezulegen:

6.1. Eine Vollspur (ca. 3,50 m) und keine „überbreite“ (5,50 m) Spur je Fahrtrichtung neben dem Straßenbahngleis.

6.2. Abgesetzter, aber überfahrbahrer Gleiskörper für die Straßenbahn (insbesondere auch, um das Linksabbiegen in die und aus den Grundstücksausfahrten zu ermöglichen).

6.3. Ersatz der Haltestelleninseln durch Kap-Lösungen, insbesondere bei der Haltestelle vor der Schauburg zur Erhaltung und Aufwertung des Vorplatzes vor dem Kino und zur Aufwertung des Nebenzentrums Königsbrücker Straße/Bischofsweg.

6.4. Einordnung der Linksabbiegerspuren am Bischofsweg auf dem Straßenbahngleis, die Konflikte zwischen dem KFZ-Verkehr und der Straßenbahn sind durch eine entsprechende Schaltung der Ampeln zu minimieren.

6.5. Führung der Fahrbahn zwischen Bischofsweg und Stauffenbergallee (stadtauswärts) auf dem historischen Reitweg, damit kann die dritte Baumreihe erhalten werden und der Alleecharakter mit Kronenschluss der Bäume wiederhergestellt werden.

6.6. Die Führung des Radverkehrs ist überwiegend akzeptabel, allerdings sollte zwischen Louisenstraße und Bischofsweg (stadtauswärts) der Radverkehr auf der Fahrbahn (Radfahrstreifen) und nicht auf dem Gehweg geführt werden. Bei einer Führung des Radverkehrs auf dem Gehweg in diesem Bereich sind aufgrund des starken Fußgängerverkehrs und der zahlreichen Grundstückseinfahrten erhebliche Konflikte zu erwarten.

6.7. Das Stellplatzangebot (Zahl und Lage) ist als Kompromiss akzeptierbar, dringend erforderlich ist eine Bewirtschaftung der Stellplätze. (Kurzzeitparken oder gebührenpflichtiges Parken während der Geschäftszeiten).

Friedrich Boltz, 28. Mai 2002

Auch ihre Meinung ist wichtig

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