Presseartikel zum Ausbau der Königsbrücker Straße

Bürgermeister Wolgast: „Jetzt keine Alternative zum 4-spurigen Ausbau“

Ein späterer Rückbau soll geprüft werden

DN: Man bekommt immer mehr den Eindruck, dass es bei der Diskussion um die Königsbrücker Straße gar nicht mehr um das eigentliche Problem der chaotischen Verkehrszustände dort geht, sondern um grundsätzliche Positionen.

Wolgast: Von unserer Seite stimmt das nicht. Wir wollen so schnell wie möglich die Situation dort verbessern. Und weil wir nicht verhindern können, dass sich die Menschen Autos kaufen, müssen wir unter diesen Umständen das Beste aus der Situation machen. Wir haben jetzt 25.000 Fahrzeuge pro Tag auf der Königsbrücker Straße, und es werden noch mehr werden. Das ist mit zwei Spuren einfach nicht zu bewältigen. Das sind die Fakten. Aber es wird ein Popanz aufgebaut, nur weil man gegen das Auto ist. Aber es fahren ja auch Herr Boltz und Herr Pröhl Auto. Die Diskussion ist einfach provinziell.

DN: Nun ist es doch aber auch so, dass sich die Situation mit dem Bau der Waldschlösschenbrücke und der Stauffenbergallee noch einmal ändern wird. Das kann man doch jetzt nicht einfach ignorieren.

Wolgast: Wenn die Brücke und die Stauffenbergallee fertig sind, werden wir prüfen, ob ein Rückbau der zweiten Spur als Fahrradspur sinnvoll ist. Das war schon immer so vorgesehen.

DN: Es glaubt nur keiner daran.

Wolgast: So etwas kann man doch in Beschlüssen festlegen, und dann wird auch danach gehandelt werden.

DN: Also keine Diskussion mehr über ein ebenerdiges Straßenbahngleis, das auch von den Autos genutzt werden kann?

Wolgast: Nein. Mir wäre es auch lieb gewesen, wenn wir auf die eigenständige Straßenbahntrasse hätten verzichten können. Das wäre ein Kompromiss gewesen, den ich auch bereits beim Ausbau der LennÚstraße wollte. Zusammen mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit sind wir bei diesem Vorhaben gescheitert. Und im übrigen: Das Interesse der Dresdner Verkehrsbetriebe ist natürlich darauf ausgerichtet, einen eigenen Gleiskörper zu haben; das bringt zusätzliche Attraktivität und mehr Fahrgäste.

DN: Anwohner und Händler fürchten durch die vier Spuren eine Situation wie auf der Hansastraße.

Wolgast: Was ist daran schlecht? Die Hansastraße bündelt den Verkehr und entlastet damit die Wohngebiete. Und das wird mit der Königsbrücker genau so passieren. Und für die Händler sind nicht die vier Spuren das Problem, sondern die fehlenden Parkmöglichkeiten jetzt. Das ist wie z. B. an der Borsbergstraße. Ebenfalls eine Straße mit viel Autoverkehr, aber es gibt nur wenige Parkmöglichkeiten. Und sehen Sie sich doch einmal die Waisenhausstraße und den Dr.-Külz-Ring an: Wie viele Leute überqueren dort jeden Tag die Straßen! Man kann nicht einfach generell behaupten, eine Straße mit vier Spuren trenne einen Stadtteil. Und in diesem Zusammenhang noch etwas zur vorgesehenen Breite der Gehwege. Auf der Ostseite der Königsbrücker Straße sind 3,50 bis 3,70 Meter vorgesehen. Durch das Parken auf den Gehwegen ist die Situation bereits heute nicht anders, und wie sich zeigt ausreichend, aber wesentlich störender für das Publikum als es in Zukunft sein wird.

DN: Auch die Fahrradfahrer sind gegen den Ausbau. Könnte die Diskussion nicht entschärft werden, wenn man ein Fahrradwegekonzept für die Neustadt entwickeln würde?

Wolgast: Darüber reden wir doch schon seit Jahren. Die Alaunstraße ist ja bereits eine Fahrradstraße, aber sie ist ständig zugeparkt. Eine Verbesserung der Parkmöglichkeiten in der ─ußeren Neustadt könnte durch die Errichtung eines Parkhauses in der Kamenzer Straße erfolgen, aber auch dagegen formiert sich Widerstand.

Gespräch: Steffi Mitzscherling

Stadtteilzeitung „Die Neustadt“, Nr. 32, Ausgabe Juli 2000, S. 3
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