Presseartikel zum Ausbau der Königsbrücker Straße

Zwei Autospuren für die „Königsbrücker“

Fördergelder werden knapper / Stadtrat muss seine Ausbau-Entscheidung revidieren

Die Katze ist aus dem Sack und ähnelt dem Exemplar, das schon vor etwa fünf Jahren präsentiert wurde. Der Vergleich der Pläne für den Umbau der Königsbrücker Straße mit dem launischen Tier drängt sich seit Anfang des Jahres auf, als unter der Regie des damaligen Verkehrsdezernenten Rolf Wolgast (SPD) mit dem Regierungspräsidium hinter den Kulissen heftig um den künftigen Zuschnitt der Trasse zwischen Albertplatz und Stauffenbergallee gerungen wurde.

Jetzt stehen wieder die alten Pläne im Vordergrund, die bereits 1996 diskutiert und später von der bürgerlichen Stadtrats-Mehrheit in die untersten Schubladen der Verkehrsexperten verbannt worden sind. Danach soll die Straße nun doch zwei überbreite Fahrspuren bekommen, dazwischen ein eigenes Gleisbett für die Straßenbahnen, links und rechts je 1,50 Meter breite Radspuren und bis zu fünf Meter breite Fußwege. Die entscheidende Veränderung im Vergleich zur vierspurigen Variante ist dabei die Tatsache, dass sich Autos und Radfahrer nun auf jeder Seite der Bahngleise sechs Meter Straßenfläche teilen. Zuletzt sollten dort je zwei Autospuren verlaufen, für Radwege war kein Platz.

Nur im Mittelteil des gesamten Abschnitts stehen jetzt noch zwei Alternativen zur Diskussion. Danach könnten die Autos zwischen Louisenstraße und Bischofsweg stadtauswärts auch über die Schienen der Straßenbahn fahren, dann blieben auf der Ostseite der Straße etwa 5,10 Meter für die Fußgänger und die Auslagen der Geschäftsleute. Andererseits könnte dort auch weiter das abgesetzte Gleisbett verlaufen, so dass die Fußwege etwa 3,60 Meter breit würden. „Wir unterstützen beide Varianten“, kündigte gestern bei der Vorstellung der neuen alten Pläne Verkehrsbetriebe-Vorstand Frank Müller-Eberstein an. Dennoch sei ihm ein durchgehender Gleiskörper lieber, „denn da gibts bei der Förderung kein Wenn und Aber“.

Mit dieser Bemerkung sprach Müller-Eberstein ein derzeit besonders kritisches Thema an, die Förderung der Baukosten. Der Umbau der Straße soll nach letzten Angaben etwa 40 Millionen Mark kosten. Bislang standen dafür 75 Prozent Förderung in Aussicht, davon 60 Prozent vom Bund und 15 Prozent vom Land. „Wir merken jetzt, dass das Geld in den Fördertöpfen knapper wird“, sagte der Verkehrsbetriebe-Vorstand. Daraus würden auch der Ausbau der S-Bahn-Trasse und der neue Leipziger S-Bahn-Tunnel gefördert.

„Außerdem haben wir Anzeichen dafür, dass die Föderung des Königsbrücker-Ausbaus mit dem Vorankommen am Postplatz verknüpft wird“, berichtete Müller-Eberstein. Danach könne erst dann mit der gewünschten finanziellen Unterstützung für den Straßenausbau gerechnet werden, wenn die Postplatz-Pläne spürbar vorankämen. Wenn das der Fall sei und die Vorbereitungen für den Königsbrücker-Umbau reibungslos verliefen, könne voraussichtlich im Januar 2003 mit Arbeiten an der Straße begonnen werden. Vorausgesetzt, auch der Stadtrat entscheide sich für die neue Variante. Dazu müssen Kommunalpolitiker die Mehrheitsentscheidung für vier Autospuren revidieren.

Dresdner Neueste Nachrichten (cs) 10. Oktober 2001

Nächster Artikel: Radwege statt Autospuren

Vorheriger Artikel: „Goldener Handschlag“ für Ausbau der „Königsbrücker“

Übersicht: Alle Artikel