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Presseartikel zum Ausbau der Königsbrücker
Straße
Radwege statt Autospuren
Der Streit um den Ausbau der Königsbrücker Straße geht
in eine neue Runde
Nach jahrelangem Streit wird die Königsbrücker Straße
erneut umgeplant. Statt vier sollen nun doch nur zwei Autospuren und
dafür Radwege entstehen. Aber auch diese Lösung stößt
bereits auf Kritik.
Die Königsbrücker Straße macht der
Waldschlößchenbrücke Konkurrenz. Seit 1995 wird hier
geplant, gestritten, umgeplant, aber nicht gebaut. Das Grundübel: Der
Platz ist zu knapp, um alle Verkehrs-Interessen zu befriedigen.
Nach dem Ärger mit Bodenbacher- und Lennéstraße wollten CDU-
und FDP/DSU-Mehrheit im vergangenen Jahr die zweispurig geplante Magistrale
in eine vierspurige umwandeln. Daraufhin hagelte es 1.600 Einsprüche.
Kritikpunkte: keine Radwege, zu große Eingriffe in private
Vorgärten, Trenn-Wirkung für den Stadtteil.
Baubeginn verschiebt sich um zwei Jahre
Das Regierungspräsidium will erst grünes Licht geben, wenn
die Probleme ausgeräumt sind, sagt Frank Müller-Eberstein,
Technik-Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), die für das
Vorhaben den Hut aufhaben. Deshalb wurde jetzt nochmal umgeplant. Die
Zielrichtung hatte Dresdens neuer OB Ingolf Roßberg (FDP) schon im
Wahlkampf ausgegeben weniger Auto-Piste, mehr
Stadtteilverträglichkeit. Gestern stellten Verkehrsbetriebe und
Rathaus die neue Lösung in einer Bürgerversammlung vor.
Danach halten die DVB an ihrem separaten Gleisbett in der
Straßenmitte fest. Der Bund gebe sonst keine Fördermittel. Nur
Einsatzfahrzeuge dürfen die acht Zentimeter hohen Trennborde
überfahren.
Waren bislang rechts und links der Gleise jeweils zwei Autospuren
vorgesehen, soll nun zwischen Katharinenstraße und Olbrichtplatz nur
eine überbreite Fahrspur entstehen. Bei geplanten 4,50 Metern
kann ein Auto noch problemlos einen am Rand haltenden Lastwagen
überholen, sagt Müller-Eberstein. Der gewonnene Platz werde
auf beiden Seiten für Radwege genutzt. Wo es möglich ist, kommen
noch Park- und Anliefer-Buchten hinzu.
Die DVB versichern, dass es trotz der abgespeckten Spuren keinen Stau
geben wird und haben als Beweis auch schon eine Computer-Simulation parat.
Die Leistungsfähigkeit der Straße hängt von den
Knotenpunkten ab, sagt DVB-Planer Ingo Wortmann. Deshalb wolle man
die Knoten wie bei der vierspurigen Variante ausbauen. Vor der Kreuzung
Bischofsweg (Schauburg) zum Beispiel weitet sich die Fahrspur in eine
Linksabbieger- und zwei Geradeaus-/Rechtsabbiegerspuren auf, die hinter dem
Knoten wieder zusammenlaufen. Wermutstropfen: der Radweg passt dadurch
nicht mehr hin und setzt im Kreuzungs-Bereich aus.
Falls dem Stadtrat die neue Lösung nicht gefällt, halten die DVB
noch eine zweite bereit. Danach sollen die Autos stadtauswärts im
Engpass zwischen Louisenstraße und Bischofsweg auf den Gleisen
mitrollen. Das hätte gleich zwei Vorteile: Es stünden zwei
Fahrspuren zur Verfügung. Außerdem würden 1,50 Meter
für Gehwege gewonnen. Bedingung für die Förderung ist
aber, dass sich die Bahnen Vorrang schalten und an Linksabbiegern vorbei
können, sagt Wortmann.
Sollte die Königsbrücker ursprünglich schon in wenigen
Wochen fertig sein, rechnen die DVB jetzt frühestens Ende
nächsten Jahres mit Baubeginn. Zum Weihnachts-Geschäft 2003
wäre die Straße komplett, sagt Müller-Eberstein.
Bund droht, den Geldhahn abzudrehen
Gestern indes regten sich auch gegen die neuen Pläne erste Proteste.
Die gesamte Nord-Süd-Verbindung durch Dresden wird
vierspurig, sagt FDP/DSU-Chef Jan Mücke. Insofern sei der Stau
mit einer zweispurigen Königsbrücker programmiert. Volker
Eichmann von der Bürgerinitiative Königsbrücker Straße
freut sich zwar über die erkämpften Radwege, will aber nicht
akzeptieren, dass sie an der Kreuzung aufhören. Gerade da ist es
am gefährlichsten, sagt er. Auch Raoul Barthel, Junior-Chef von
Sport-Barthel, kündigt neue Einsprüche der Gewerbetreibenden an.
Wenn es bei den paar Parkplätzen bleibt, können viele
Händler bald dicht machen, sagt er.
Die DVB hoffen trotzdem auf schnelle Zustimmung. Rund drei Viertel der
benötigten 35 bis 40 Millionen Mark (17,9-20,5 Mio. Euro) sollen aus
Fördertöpfen kommen. Der Bund hat signalisiert, dass die
Mittel knapper werden, sagt Vorstand Müller-Eberstein. Wir
können solange diskutieren, bis es allen Recht ist. Aber dann
sei der Geldhahn vermutlich zu.
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