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Presseartikel zum Ausbau der Königsbrücker Straße
Königsbrücker: Stadt soll sich an Absprachen halten
Wirtschaftsministerium will Fördergelder nur zahlen, wenn Straßenausbau den Verkehrsfluss
beschleunigt
An Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP) ist Post aus dem Wirtschaftsministerium unterwegs. Keine
freundliche Einladung, sondern ein unangenehmer Brief, in dem das Wirtschaftsministerium auf die
Grundsätze verweist, die Basis für die finanzielle Förderung des Ausbaus der
Königsbrücker Straße sein sollen. 75 Prozent der etwa 22,4 Millionen Euro wollte das
Ministerium bezahlen, wenn der Straßenausbau wirklich zum besseren Verkehrsfluss zwischen Albertplatz und
Stauffenbergallee führt.
Anlass für die überraschende Post ist ein Plan für den Straßenausbau, den die
Ingenieurgemeinschaft Schnüll, Haller und Partner aus Hannover erarbeitet hat. Nachdem ursprünglich
eine vierspurige Straße mit einem eigenen Gleisbett für die Straßenbahn und ohne Radwege
gebaut werden sollte, wurde zuletzt eine Variante diskutiert, in der für die Autos zwei überbreite
Spuren vorgesehen waren. Zwischen Louisenstraße und Bischofsweg sollten sich Autos und
Straßenbahnen den Platz in landwärtiger Richtung sogar teilen. Diese Variante galt dennoch als voll
förderungsfähig. Im September 2001 sprach Roßberg deshalb von einem goldenen
Handschlag des Wirtschaftsministers. Die Dresdner Verkehrsbetriebe, unter deren Federführung damals
an dem Projekt gearbeitet wurde, holten daraufhin Pläne aus ihren
Schubfächern, die bereits 1996 entstanden waren. Die überarbeiteten Zeichnungen wurden
schließlich im November präsentiert, als förderfähige Kompromissvariante, der nur noch
Details fehlten. Pikant jedoch: Bereits seit dem 15. Oktober arbeitete das Hannoveraner Büro an neuen
Plänen für den Straßenausbau. Dass man sich externen Sachverstand dazu holt, um eine
verfahrene Situation zu beenden, ist doch normal, rechtfertigt OB-Sprecher Kai Schulz diese Methode.
Mindestens einen Monat lang planten so offenbar Experten in Dresden und Hannover zeitgleich den Ausbau der
Königsbrücker Straße. Am 6. Dezember bekam Roßberg die neuen Zeichnungen aus Hannover auf
den Tisch. Darin schlagen die westdeutschen Experten zwischen Bischofsweg und Louisenstraße vier
Autospuren vor, wobei die Straßenbahngleise in jeder Richtung von den Autos mitgenutzt werden. Mitte
Februar sollte das Büro in einer Computersimulation zeigen, dass der Verkehr auch bei dieser Variante
problemlos rollt.
Das Wirtschaftsministerium, das den Leiter des Hannoveraner Büros als
Verkehrsberuhigungspapst kennt, wähnt die Autofahrer jetzt schon im Stau, mahnt deshalb noch
einmal die beim goldenen Handschlag vereinbarten Eckpunkte an.
DVB-Vorstand Frank Müller-Eberstein mochte sich gestern zur parallelen Planung und der neuen
Königsbrücker-Variante nicht äußern. Der sonst so auskunftsfreudige Betriebschef musste
sich nach DNN-Informationen eine Standpauke von Stadtchef Roßberg gefallen lassen. Tenor: Es sei nicht
Aufgabe der DVB, sich zum obersten Verkehrsplaner der Stadt aufzuschwingen.
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