Presseartikel zur OB-Wahl 2001

Dresden als Menetekel für die Sachsen-CDU

Die Dresdner haben sich von den Warnungen der CDU, ins Rathaus werde Chaos einziehen, nicht beeindrucken lassen. Sie haben sich bereits im ersten Wahlgang für den Freidemokraten Ingolf Roßberg ausgesprochen. Am Sonntag haben sie ihm erneut mehrheitlich ihre Stimme gegeben. Der Wunsch nach Wechsel und frischem Wind war in Dresden stärker als das Vertrauen in den Amtsinhaber Herbert Wagner, der seit der Wende die Geschicke der sächsischen Landeshauptstadt lenkt. Auch die überraschende und umstrittene Kandidatur des letzten SED-Stadtoberhaupts, Wolfgang Berghofer, die zumeist als Schützenhilfe für Wagner gedeutet wurde, hat die Abwahl nicht verhindern können.

Das Votum ist nicht nur eine Abfuhr für die örtlichen Christdemokraten, es ist auch für die sieggewohnte Sachsen-Union und Ministerpräsident Kurt Biedenkopf peinlich. Dresden, Leipzig, Chemnitz – die größten Städte des Landes werden nun allesamt nicht mehr von Konservativen, sondern von Sozial- und Freidemokraten regiert. Ein unübersehbares Zeichen dafür, dass die seit 1990 bestehende politische Dominanz der „Schwarzen“ allmählich zu Ende geht. Auch dürfte das Ergebnis den langen Abschied von „König Kurt“ verkürzen. Mit oder ohne sein Einverständnis.

Ob Roßbergs Sieg gut für die Stadt ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Parteien, die ihn unterstützt haben, werden Forderungen an ihn richten. Und wie eine Politik aussehen soll, die allen vier Parteien, den Liberalen, der SPD, der FDP und den Grünen gerecht werden kann, hat der neue OB im Wahlkampf nicht überzeugend erklären können.

Berliner Zeitung (Peter Pragal) 25. Juni 2001

Nächster Artikel: Roßberg zieht jubelnd ins Rathaus

Vorheriger Artikel: Roßberg gewinnt in Dresden

Übersicht: Alle Artikel

Königsbrücker | OB-Wahl | Staustufen | Leben-in-Dresden