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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Roßberg zieht jubelnd ins Rathaus
Die blaue Säule für CDU-Kandidat Herbert Wagner steigt und
steigt und stoppt erst bei 67 Prozent. Herausforderer Ingolf Roßberg,
gelb markiert, bleibt bei 19 Prozent hängen. Das CDU-Lager unter den
mehreren Hundert Zuschauern im Plenarsaal des Rathauses bleibt dennoch
ruhig und rückt nur näher an die Ergebnisbildschirme heran. Es
ist unter 396 Wahlbezirken der erste ausgezählte, der Wagner gegen
Viertel nach sechs so deutlich in Führung sieht.
Ein paar Minuten später rücken die ersten CDU-Leute wieder
zurück, weg von den Monitoren, auf denen die gelbe Säule nach 16
Wahlbezirken erstmals höher als die blaue von Wagner steigt. 48 zu 38
Prozent für Roßberg. Gehen wir, es hat keinen Sinn
mehr, sagt ein CDU-Ortsbeirat.
Die Ergebnisse kommen nach Zufallsprinzip herein, je nachdem, welcher
Wahlbezirk schneller zählt und meldet. Und doch soll sich kaum noch
etwas ändern. Das ahnt auch der amtierende Oberbürgermeister. Als
gegen 18.45 Uhr die Hälfte der fast 190.000 Stimmen ausgezählt
sind, kommt Herbert Wagner in den Saal. Seine Frau Pia steht neben ihm, als
er ans Mikro tritt. Herr Roßberg wird der
Wahlsieger
Das sein geht schier im Jubel der
Anhänger seines Herausforderers unter. Als es ruhig wird, spricht er
weiter: Ich habe die Wahl verloren. Das ist eine bittere
Niederlage. Seine Augen sehen feucht aus, als er seine Frau an sich
zieht, Roßberg eine glückliche Hand für Dresden
wünscht. Ursachenforschung soll später kommen. Wagners Amtszeit
läuft erst Ende Juli aus, am nächsten Tag wird er wieder im
Rathaus sitzen, ein ordentlicher Arbeitstag, wie er sagt.
Roßberg ist kurz darauf im Rathaus, braucht aber eine halbe Stunde,
um zum Plenarsaal hochzukommen. Immer wieder muss er Hände
schütteln, sich umarmen lassen. Als er schließlich auf der
Bühne ist, gratuliert CDU-Fraktionschef Michael Grötsch, ohne
dessen Lager im Stadtrat nichts geht. Auf dem Monitor steht
währenddessen neben den hohen blauen und gelben Anzeigen von Wagner
und Roßberg ein Zwölf-Prozent-Säulchen für Wolfgang
Berghofer. Der hatte statt auf Programme auf Bekanntheit gesetzt, ist nicht
zu sehen, wird sich später per Fax melden. In der Menge meint einer:
Das Phantom ist verschwunden.
In der CDU-Fraktion eine Etage tiefer, wo Bier zur Feier bereit stand,
schauen später Ex-Minister Milbradt und sein Nachfolger de Maiziere
vorbei. Zu feiern gibt es hier nichts. Das passiert einen Kilometer weiter
in und vor Roßbergs Büro in der Maxstraße. Dort riegelt
die Polizei ab, die Straße feiert und Roßberg spricht Worte wie
in Stein gemeißelt: Die Zukunft hat begonnen.
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