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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Nach mehr als zehn Jahren wechselt in Dresden der OB
Gewinner Roßberg gibt sich sachlich und schießt dennoch kleine
Pfeile ab
Sein erster Auftritt als Wahlsieger am Sonntag blieb sachlich, auch wenn
im Dresdner Rathaussaal die Emotionen tosten. Ingolf Roßberg, soeben
mit 47 Prozent der Stimmen zum neuen Oberbürgermeister gekürt,
deutete am Sonntagabend nur mit kurzem Winken die Pose des strahlenden
Gewinners an. Nach mehr als zehn Jahren und einem gescheiterten Versuch
nahm der studierte Verkehrsexperte dem Amtsinhaber Herbert Wagner (CDU) die
Bürgermeisterkette zwar ab, erkannte aber nüchtern: Jetzt
fängt die Arbeit erst an.
Als Bürgerkandidat versteht sich der noch in Wuppertaler
Diensten stehende Sachse Roßberg, der von einem wohl einmaligen
Bündnis aus SPD, PDS, Grüne, ödp und der FDP getragen wird.
An erster Stelle stehe Dresden, erst dann komme die Parteienpolitik, sagte
das FDP-Mitglied, das anfangs von seiner eigenen Partei nur zögerlich
unterstützt wurde. Wohl wissend, dass das unter dem Motto OB
für Dresden geschmiedete Zweckbündnis wohl zerfallen und
ihm aus den Reihen der CDU ohnehin ein harter Wind ins Gesicht wehen
dürfte.
Lange hatte sich nämlich das Gerücht gehalten,
Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) habe hinter den Kulissen
für Wirbel gesorgt und seine Dresdner Parteifreunde unterstützen
wollen, indem er den letzten SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer
zur Kandidatur ermutigte. Das frühere Stadtoberhaupt, zu Wendezeiten
als Bergatschow gefeiert, sollte so die
unbestätigten Vermutungen bei der zweiten Wahl-Runde
Roßberg-Stimmen für sich abziehen und so Wagner den Sieg
bringen.
Der Unternehmensberater genießt trotz der ihm nachgewiesenen
Wahlfälschung durchaus Sympathien an der Elbe. Berghofer, der kaum
Wahlkampf betrieb und daher als Phantom bespöttelt wurde,
kam auf rund zwölf Prozent der Stimmen. Rossberg würdigte seinen
Konkurrenten keines Wortes und sprach nur unter Beifall
davon, dass er nicht die Interessen der Oligarchie vertrete.
Wohl ein Hinweis auf Gerüchte, wonach Berghofer im Falle eines
Wagner-Sieges mit der Vermarktung eines Dresdner Freizeitgeländes
beauftragt werden sollte.
Die Wahl, zu der nur knapp die Hälfte der Dresdner ging, war neben
den Berghofer-Spekulationen wohl auch geprägt von einem Wechselwunsch
vieler Hauptstädter. Immer wieder war zu hören, dass
Elbflorenz zwar als Kulturmetropole bekannt und als
Wirtschaftsstandort beliebt sei. Doch im selben Atemzug verwiesen
Unzufriedene meist auf mangelnde Konzepte für die City, die an manchen
Ecken noch immer unter direkten und indirekten Kriegsfolgen zu leiden hat.
Roßberg will es nun wie er sagt sachlich angehen.
Überraschungen sind jedoch nicht ausgeschlossen. Im Schlepptau hatte
Roßberg nämlich am Wahlabend den SPD-Mann und
Biedenkopf-Jäger Karl Nolle. Jener, der selbst einmal OB-Ambitionen
hatte, könnte vielleicht Dezernent werden. Wie dann das
Verhältnis der Stadt zur Staatskanzlei aussehen würde, ist
völlig offen. Biedenkopf selbst hatte Roßberg unlängst als
Schrott aus Wuppertal abqualifiziert und ihm eine schlechte
Arbeit als Dresdner Dezernent Anfang der 90er bescheinigt.
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