Presseartikel zur OB-Wahl 2001

Ingolf Roßberg neuer Oberbürgermeister von Dresden

Der FDP-Politiker Ingolf Roßberg wird neuer Oberbürgermeister in Dresden. Der parteiübergreifende Bewerber konnte sich nach Angaben des städtischen Wahlbüros am Sonntag im zweiten Wahlgang mit 47 Prozent der Stimmen durchsetzen.

Der seit 1990 regierende CDU-Amtsinhaber Herbert Wagner kam auf 40 Prozent. Der letzte Dresdner SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer (parteilos), der überraschend zum zweiten Wahlgang angetreten war, landete abgeschlagen bei 12,2 Prozent.

Insgesamt wurden am Sonntag in drei Landkreisen sowie 54 Städten und Gemeinden Landräte und Bürgermeister gewählt. Einen zweiten Urnengang gab es überall dort, wo keiner der Kandidaten vor zwei Wochen die absolute Mehrheit erreicht hatte. Außer in Dresden lag die Beteiligung bei den Wahlen für die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte und der Landräte deutlich unter der von vor zwei Wochen.

In Zwickau setzte sich der CDU-Politiker Dietmar Vettermann mit 35,9 Prozent durch. Zwickau ist damit die einzige der sieben kreisfreien Städte Sachsens, die noch von der CDU regiert wird. In Hoyerswerda wurde PDS-Amtsinhaber Horst-Dieter Brähmig klar mit 54,55 Prozent bestätigt.

Zudem siegte erstmals die SPD bei einer Landratswahl. Im Leipziger Land setzte sich Petra Köpping mit 72,7 Prozent klar durch und löst den CDU-Amtsinhaber ab. Auch die Landkreise Freiberg und Annaberg gingen der CDU verloren. Hier setzten sich Bewerber eines Bürgerforums beziehungsweise einer Allianz Unabhängiger Wähler durch. Bisher waren alle Landkreise im Freistaat CDU-regiert.

Roßberg war in Dresden von Bürgerinitiativen, SPD, PDS, Grünen und FDP unterstützt worden. In der Landeshauptstadt hatten sich vor zwei Wochen Amtsinhaber Wagner und Roßberg ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Die Wahlbeteiligung lag am Sonntag bei 48,7 Prozent. Vor zwei Wochen hatte sie mit 48,14 Prozent noch etwas niedriger gelegen.

Amtsinhaber Wagner hatte bereits vor Abschluss der Stimmauszählung seine Wahlschlappe eingeräumt. „Es ist eine bittere Niederlage“, sagte er. Er habe nicht mit einem so großen Abstand gerechnet. Roßberg sagte unter dem Jubel seiner Anhänger: „Zuerst kommt Dresden für mich, danach Parteipolitik.“ Er warb unmittelbar nach Verkündung seines Wahlsiegs in Sachsens zweitgrößter Stadt für ein überparteiliches Zusammenwirken aller Kräfte.

Sachsens CDU-Chef Fritz Hähle sprach mit Blick auf das Wahlergebnis in Dresden von einer „bitteren Pille“. Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) kündigte an, der Freistaat werde alles tun, um die Landeshauptstadt wie bisher zu unterstützen.

SPD-Landeschefin Constanze Krehl zeigte sich hocherfreut über den Sieg ihrer Partei im Leipziger Land. Der Wahlerfolg von Roßberg in Dresden sei ein „irres Zeichen“. Dass der CDU-Amtsinhaber abgewählt wurde, sei umso bedeutsamer, als die Staatsregierung so viel getan habe, um seinen Wahlsieg zu sichern. PDS-Landeschef Peter Porsch wertete den Wahlausgang von Dresden als persönliche Niederlage für Biedenkopf. FDP-Landeschef Holger Zastrow sagte, das Ergebnis in Dresden sei die „halbe Miete“ für den Wiedereinzug der FDP in den Landtag 2004.

Bei den Bürgermeisterwahlen in den 52 Städten und Gemeinden schnitt wie schon vor zwei Wochen die CDU als beste Partei ab. Die SPD lag vor der PDS. Bereits aus der ersten Runde der Landrats- und Bürgermeisterwahlen am 10. Juni war die CDU als klarer Sieger hervorgegangen. So setzten sich bei den Bürgermeisterwahlen 153 Kandidaten der Union durch. Die Amtsperiode für Landräte, Bürgermeister und Oberbürgermeister in Sachsen dauert sieben Jahre.

sowohl: Mainpost 25. Juni 2001
als auch: Ostthüringer Zeitung 25. Juni 2001

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