Presseartikel zur OB-Wahl 2001

„Als Erstes lasse ich frischen Wind ins Rathaus“

Ingolf Roßberg zu seinem Wahlsieg

Herr Roßberg, hatten Sie mit dem Antritt Berghofers an Ihrem Wahlsieg gezweifelt?

Nein, aber ich fand es unfair von ihm, plötzlich als Übervater in Dresden aufzutauchen und alles richten zu wollen.

Was war Ihrer Meinung nach ausschlaggebend dafür, dass Sie so klar vor Wagner lagen?

Die Wähler haben honoriert, dass ich ein Oberbürgermeister sein will, der nie vergisst, dass er zuerst Dresdner Bürger ist und nicht den Interessen einer Oligarchie dient. Für mich ist das Wohl des Volkes, wie es auf der Amtskette steht, oberstes Gebot.

Wie aber wollen Sie sich als Kandidat der linken Parteien gegen die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat durchsetzen?

Ich habe ohne die CDU, aber nicht gegen sie kandidiert. Insofern fordere ich die Union auf, gemeinsam für Dresden zu kämpfen. Wenn Sach- vor Parteipolitik geht, findet sich immer ein Konsens.

Wann ziehen Sie mit Ihrer Familie nach Dresden?

Ich wohne bereits auf der Bautzner Straße 12. Insofern ist es eine Schimäre zu behaupten, dass ich Wuppertaler sei. Ich betrachte meine Zeit dort als ein lehrreiches Praktikum. Meine beiden großen Kinder werden im neuen Schuljahr wieder in Dresden zur Schule gehen. Für meine jüngste Tochter hat meine Frau bereits vorige Woche einen Kindergartenplatz beantragt.

Denken Sie daran, sich in Dresden ein Haus zu kaufen?

Nein, ich suche mir eine neue Mietwohnung. Wahrscheinlich in der Innenstadt, denn ich will unter Menschen leben.

Können Sie als Beigeordneter von Wuppertal jetzt problemlos nach Dresden wechseln?

Ja, denn für Beigeordnete gibt es keine Kündigungsfrist. Mit der Berufung in ein neues Amt erlischt das bis dahin ausgeübte. Insofern stehe ich pünktlich am 1. August bereit.

Was wird ihre erste Amtshandlung sein?

Das Fenster öffnen und frischen Wind ins Rathaus lassen.

Wie soll Ihre Dezernenten-Riege aussehen? Schreiben Sie die Posten nochmal neu aus?

Dazu kann ich mich erst äußern, wenn ich die Bewerbungen durchgesehen habe. Ich will meine Mannschaft nach Qualifikation, nicht nach Parteibuch auswählen. Insofern gibt es auch keinerlei Absprachen mit den Parteien. Ich wehre mich gegen Gerüchte, ich hätte Posten versprochen. Ich bin strikt gegen Versorgungsposten.

Wie wollen Sie künftig mit der Bürgerinitiative umgehen, die Sie aufgestellt hat?

Der Bürgerinitiative kommt über meinen Amtsantritt hinaus die Aufgabe einer Integrations-Plattform zu. Ich gehe davon aus, dass sie sich zu der Frage noch selbst äußert.

Sächsische Zeitung (Das Gespräch führte Katrin Saft) 25. Juni 2001

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