Presseartikel zur OB-Wahl 2001

„Die Uhr von Biedenkopf ist abgelaufen“

„Die Uhr von Biedenkopf ist abgelaufen. Die CDU hat kein Abo mehr auf Wahlerfolge.“ Kein Landespolitiker hatte gestern mehr Grund zur Freude als FDP-Chef Holger Zastrow nach dem fulminanten Sieg des Liberalen Ingolf Roßberg. Obwohl die Partei im Landtag nicht vertreten ist, stellt sie auf kommunaler Ebene die zweitmeisten Bürgermeister. „Jetzt bin ich 100-prozentig sicher, dass die FDP im nächsten Landtag vertreten sein wird“, prophezeite Zastrow, der sich besonders freute, dass Biedenkopfs hässliche Worte gegen Roßberg („Schrott aus Wuppertal“) gründlich bestraft wurden.

Fast ebenso glücklich zeigte sich SPD-Chefin Constanze Krehl: „Fantastisch. Zum ersten Mal gibt es eine rote Landrätin“, bejubelte sie den Sieg der parteilosen Petra Köpping, die für die SPD im Landkreis Leipziger Land ins Rennen gegangen war. Allerdings glaubt sie nicht, dass sich die Biedenkopf-Affäre der vergangenen Wochen auf das Wahlergebnis ausgewirkt habe – „außer in Dresden“.

CDU-Chef Fritz Hähle bezeichnete die Niederlage Wagners als bittere Pille. Man dürfe allerdings nicht vergessen, dass die CDU unter dem Strich ein blendendes Ergebnis eingefahren habe. „In Zwickau gibt es weiterhin einen CDU-Bürgermeister.“ CDU-Vize Georg Milbradt erinnerte dagegen auch an das Ergebnis in Chemnitz vor einigen Wochen, wo der CDU-Kandidat gerade einmal 9 Prozent erreichen konnte. „In den Städten laufen der CDU die Wähler weg. Eine ernsthafte Analyse ist jetzt notwendig, um den Trend gegen die CDU umzukehren“, sagte Milbradt. Eine Schuld von Biedenkopf am Ergebnis konnte er nicht feststellen. Biedenkopf wiederum sagte Dresden weiterhin seine Unterstützung zu. Der Freistaat werde alles tun, um seine Landeshauptstadt bei seinem Erfolgskurs so zu unterstützen wie bisher, teilte er mit.

Sächsische Zeitung (SZ/cs) 25. Juni 2001

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