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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
CDU verliert in Dresden
Ingolf Roßberg (FDP) wird neuer Oberbürgermeister
Der bisherige CDU-Oberbürgermeister Herbert Wagner abgewählt,
der letzte SED-Rathauschef Wolfgang Berghofer ohne Chancen: Die Dresdner
haben im zweiten Wahlgang für einen personellen Neuanfang im Rathaus
gestimmt.
Dresden hat einen neuen Oberbürgermeister. Was vor zwei Wochen noch
unvorstellbar schien, traf ein. Herbert Wagner (CDU), der die
sächsische Landeshauptstadt seit Mai 1990 regierte, muss das Zepter an
seinen Herausforderer Ingolf Roßberg weiterreichen. Im zweiten
Wahlgang ließ der Freidemokrat den bisherigen Amtsinhaber mit 47
Prozent zu 40 Prozent noch deutlicher hinter sich als beim ersten Wahlgang.
Der 40-Jährige, noch Stadtentwicklungsdezernent in Wuppertal, war von
einer Bürgerinitiative aufgestellt und von einer Mitte-links-Allianz
unterstützt worden, der außer der CDU alle Parteien
angehörten: SPD, PDS, Grüne sowie die Basis der Dresdener FDP.
1994 war Roßberg gegen Wagner noch deutlich unterlegen. Mit seinem
jetzigen Sieg konnte die Stadt nun offenbar auch endgültig ein
Phänomen abhaken, das mit unschöner Regelmäßigkeit zu
jeder Wahl Schlagzeilen machte: eine von unbekannter Hand immer wieder in
die öffentliche Diskussion gebrachte Kandidatur Wolfgang Berghofers.
Der letzte SED-Oberbürgermeister in Dresden kam mit gut zwölf
Prozent nur abgeschlagen auf Platz 3. Dabei hatte er zunächst lange
als möglicher linker Konsenskandidat gegolten. Da ihn am Ende aber nur
noch die PDS unterstützen wollte, und auch das nur halbherzig, trat
der heutige Unternehmensberater zur ersten Runde nicht an. Zur
Entscheidungswahl warf er dann überraschend doch seinen Hut in den
Ring.
Berghofers Schritt hatte allerdings vor allem im linken Lager heftige
Reaktionen ausgelöst, da man hier fürchtete, er könne
Roßbergs knappen Vorsprung gefährden. Sogar Gregor Gysi kam nach
Dresden, um seinem einstigen Vize in der Bundes-PDS öffentlich eine
Abfuhr zu erteilen und für Roßberg zu trommeln. Berghofer hielt
sich während des Wahlkampfes zurück, ließ nur wenige
Plakate kleben, trat selten auf. Er setzte offenbar auf die Suggestion
seiner Kandidatur an sich und auf die Nichtwähler. Zudem hatte man in
seinem Umfeld insgeheim gehofft, er könne Wagner und Roßberg je
15 Prozent abnehmen. Da im zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit
genügte, schien das nicht aussichtslos. Doch er hatte sich
gründlich verrechnet.
Der neue OB wollte Berghofers Kandidatur übrigens nie kommentieren.
Nun hat er die eigentlichen Probleme aber erst noch vor sich. Denn weder
die liberale Fraktion im Dresdener Rathaus noch die Parteispitzen auf
Landes- und Bundesebene hatten Roßbergs Kandidatur unterstützt.
Denn im Dresdener Stadtrat trägt die FDP seit Jahren in trauter
Gemeinsamkeit mit CDU und DSU den nun unterlegenen Wagner mit. Damit muss
der smarte Sachse, der vor seinem Wuppertaler Engagement schon mal erster
Bürgermeister im Dresdener Nobelvorort Radebeul war, nun zumindest bis
zur nächsten Kommunalwahl 2003 gegen seine eigenen Parteifreunde
agieren. Auch das bisherige unerklärte Wahlbündnis wird sehr
schnell auseinander bröseln, da es letztlich nur einem Ziel diente:
die CDU auszuhebeln. Immerhin verlor die Biedenkopf-Partei nach Leipzig und
Chemnitz nun auch Dresden. Lediglich Zwickau konnte sie am Sonntag als
letzte kreisfreie Stadt retten.
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