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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Dämpfer für Biedenkopf
Die Wahl des FDP-Kandidaten Ingolf Roßberg zum
Oberbürgermeister in Dresden
Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hatte nach der ersten Runde der
Kommunalwahl in Sachsen noch von einem Desaster für SPD
und PDS gesprochen und seine CDU als die bestimmende
kommunalpolitische Kraft in Sachsen gelobt. Gestern fiel die Reaktion
nach dem zweiten Wahlgang deutlich verhaltener aus. Die Wähler
in Dresden haben eine Entscheidung getroffen und einen Wechsel
herbeigeführt. Das ist Demokratie, teilte der Regierungschef in
dürren Worten mit.
Die CDU musste nicht nur drei weitere Landratsämter abgeben, sondern
verlor auch das prestigeträchtige Oberbürgermeisteramt in
Dresden. Die Opposition sieht dies auch als Niederlage für Biedenkopf
und sich selbst im Aufwind. Die nahezu flächendeckende Herrschaft der
CDU in Sachsen sei gebrochen. In der Union dürfte sich der Machtkampf
um die Biedenkopf-Nachfolge bis zur Landtagswahl 2004 verschärfen.
Vor allem die Abwahl des bisherigen Dresdner CDU-Oberbürgermeisters
Herbert Wagner, der von dem von SPD, PDS und Grünen unterstützten
FDP-Kandidaten Ingolf Roßberg geschlagen wurde, ist auch ein
Dämpfer für Biedenkopf. Der Ministerpräsident, der seit
Wochen wegen der so genannten Mietaffäre unter Druck steht, hatte sich
für Wagner in die Bresche geworfen.
Der zuerst als Notkandidat gehandelte Roßberg die
anderen Parteien fanden keine eigenen Bewerber holte
schließlich im zweiten Wahlgang mit 47,02 Prozent klar den Wahlsieg.
Damit ließ er Wagner, der nur auf 39,99 Prozent kam, als auch den
überraschend ins Rennen gegangenen letzten Dresdner
SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer weit hinter sich. Über
Berghofer war gemunkelt worden, er sei nur angetreten, um zu Gunsten
Wagners Stimmen von Roßberg abzuziehen.
Roßberg ist in Dresden kein Unbekannter: Bereits zwischen 1990 und
1994 war er in der Landeshauptstadt Dezernent für Stadtentwicklung.
Bis 2000 dann wirkte er als Erster Bürgermeister in Radebeul bei
Dresden. Erst im vergangenen September wechselte der gebürtige
Dresdner und Vater von drei Kindern nach Wuppertal, um dort als
Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr zu arbeiten.
Biedenkopf hatte den Herausforderer des Unionsamtsinhabers deshalb als
Schrott aus Wuppertal bezeichnet, damit viel Empörung
hervorgerufen und Roßberg damit indirekt geholfen.
FDP-Generalsekretärin Cornelia Pieper frohlockte, Dresden sei eine
echte FDP-Hochburg geworden, in Sachsen habe die FDP inzwischen den
zweithöchsten Anteil an Bürgermeistern. Dies sei auch ein Signal
für die bevorstehenden Wahlen in Hamburg und Berlin.
Trotz der Niederlage in Dresden und des Verlustes von vier Landkreisen
bleibt die CDU allerdings stärkste Kraft in den sächsischen
Kommunen. Sie gewann im Mai und Juni 171 Bürgermeisterwahlen. Zudem
war die CDU bei Landratswahlen in 14 von 18 Kreisen erfolgreich.
Wählervereinigungen waren in 87 Gemeinden erfolgreich, Einzelbewerber
beziehungsweise Einzelvorschläge in 69. Die FDP stellt 19
Bürgermeister, gefolgt von SPD mit 13 und der PDS mit drei Siegen.
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