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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Jubel in Dresden über Niederlage der CDU
PDS gewann in vier Städten die Wahlen um
Bürgermeisterämter
Nu gugge ma, īs gäht doch! Dieses erst in den letzten
Tagen aufgetauchte SPD-Wahlplakat spiegelte auch am Montag die Stimmung in
Dresden wider.
Wurde in Sachsen schon lange über den ungeschriebenen Paragraphen
Null der Landesverfassung gewitzelt, nach dem der CDU stets die absolute
Mehrheit zu garantieren sei, schienen die Dresdner Verhältnisse
besonders festgefahren. Erst die Bürgerinitiative OB für
Dresden schaffte es, die Oppositionsparteien nach und nach hinter
sich zu versammeln. Der deutliche Wahlsieg ihres Kandidaten Ingolf
Roßberg (FDP) wirkte am Sonntagabend augenscheinlich wie eine
Erlösung für zahlreiche jüngere und nach wie vor
bürgerbewegte Dresdner.
Verstopfte schon ein jubelndes Menschenknäuel die Zugänge zum
Rathaus, musste die Polizei spontan einen Straßenzug für die
Siegesparty Roßbergs vor seinem Wahlkampfbüro sperren.
Amtsinhaber Herbert Wagner (CDU) hatte bereits eine Dreiviertelstunde nach
Schließung der Wahllokale seine Niederlage eingestanden, rund sieben
Punkte hinter den 47 Prozent des Herausforderers liegend. Sichtlich
betreten und mit hochrotem Kopf besaß er immerhin die Fairness,
seinem Nachfolger und früherem unbequemem Stadtentwicklungsdezernenten
eine glückliche Hand zu wünschen.
Diese Fairness hatte die CDU, mit dem Rücken zur Wand stehend, im
Wahlkampf weitgehend vermissen lassen. Angefangen von einer
Diffamierungskampagne der Jungen Union im Internet über Biedenkopfs
Schrott aus Wuppertal bis hin zur Warnung vor Chaos in Dresden
im Fall einer Roßberg-Wahl. Biedenkopf hatte intern sogar mit einem
Scheitern von Großinvestitionen in der Stadt gedroht. Der ihm
zugeschriebene Trick, mit der Überraschungskandidatur Wolfgang
Berghofers im zweiten Wahlgang Stimmen von Roßberg abzuziehen, lief
ins Leere. Ganze 12,2 Prozent erzielte der letzte SED-Bürgermeister
und heutige Unternehmensberater, der in einer Kandidatendiskussion von den
Zuhörern überwiegend ausgelacht worden war. Bereits am Sonnabend
verließ Berghofer sein Hotel und wurde am Wahlabend überhaupt
nicht mehr gesehen. Das Dresdner Wahlergebnis wird deshalb gleich in
mehrfacher Hinsicht als ein Dämpfer für das System Biedenkopf
angesehen. Aus Sicht des SPD-Landtagsfraktionschefs Thomas Jurk ist das
besonders verständlich, stellt sie doch im Leipziger Land mit Petra
Köpping erstmals eine Landrätin in Sachsen. Auch die Kreise
Freiberg und Annaberg, wo sich im zweiten Wahlgang Bewerber
unabhängiger Wählerinitiativen durchsetzten, gingen der CDU
verloren. Von den sieben kreisfreien Städten stellt sie nur noch in
Zwickau den Oberbürgermeister.
In Dresden blieb die Zurückhaltung Roßbergs und seiner
Mannschaft gegenüber dem Wahlgegner auffällig. Sie entsprach dem
Grundsatz Zusammenführen statt spalten!, den Roßberg
auch am Wahlabend wiederholte. Er bot der CDU-Fraktion eine konstruktive
Zusammenarbeit für die Zukunft an, wohl wissend, dass er sich im
Stadtrat weiterhin der Mehrheit einer CDU/FDP/DSU-Koalition gegenüber
sehen wird. Hartnäckig hielten sich allerdings schon am Wahlabend
Gerüchte von Überläufern aus dem FDP-Lager. Erste Signale
aus der CDU-Fraktion deuteten hingegen auf eine Strategie des Einigelns und
der Blockade. In deren Fraktionsräumen stand Verlierer Herbert Wagner
übrigens sehr einsam abseits. Die Union warnt weiterhin davor, was das
Roßberg-Bündnis als das entscheidende Signal dieser Dresdner
Wahl ansieht: Parteien können über ihren Schatten springen, die
Demokratie von unten ist nicht tot. Dresden dient nicht einer
Oligarchie, wurde auch Roßberg deutlich. An seinem ersten
Amtstag am 1.August werde er im Rathaus alle Fenster aufreißen und
kräftig lüften lassen. Er betonte, dass es hinsichtlich der
Dezernentenposten keinerlei Absprachen mit den Unterstützerparteien
gegeben habe.
Aus PDS-Sicht brachte dieser zweite sächsische Kommunalwahlgang
ebenfalls erhoffte Erfolge. In Hoyerswerda wurde Oberbürgermeister
Horst-Dieter Brähmig mit 54,6 Prozent der Stimmen wiedergewählt.
In Böhlen setzte sich Maria Gangloff, in Werdau Volkmar Dittrich und
in Geringswalde Rainer Eckert durch. Schon vor zwei Wochen hatten
PDS-Kandidaten in Bernsdorf, Bennewitz und überraschend auch in Kamenz
Bürgermeisterämter gewonnen.
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