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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
46 von 60 Wahlkreisen entscheiden für Roßberg
Herbert Wagner hat fast überall Prozente verloren / CDU-Konzept
ging nicht auf
Die Dresdner bleiben bei ihrer Meinung: So brachte die zweite Wahlrunde
kaum Überraschungen. Mit sieben Prozent Vorsprung wurde Ingolf
Roßberg neuer OB. Für wen auch immer Wolfgang Berghofer ins
Rennen ging, sein Einsatz lohnte sich nicht.
Katerstimmung gestern bei der CDU. Nachmittags saß die Fraktion
zusammen, am Abend der Kreisvorstand. Wir haben einen sehr
engagierten Wahlkampf geführt, sagt CDU-Kreisvorsitzender Dieter
Reinfried. Gravierende Fehler kann er nicht erkennen. Deshalb sei die
Forderung nach einem Rücktritt des Kreisvorstandes auch kein Thema.
Die CDU hatte versucht, Nichtwähler zu mobilisieren. Doch die
Wahlbeteiligung betrug 48,7 Prozent kaum mehr als vor 14 Tagen. In
CDU-Hochburgen wie Loschwitz und Schönfeld sank sie sogar noch. Und
gegenüber dem 10. Juni verlor Amtsinhaber Herbert Wagner (CDU) sogar
noch 2,8 Prozentpunkte. Über drei Prozentpunkte Zuwachs bei der
Wahlbeteiligung gab es nur in der Inneren Altstadt, doch dort errang
Roßberg mit 58,45 Prozent die absolute Mehrheit.
Auch die CDU-Hoffnung, dass Wolfgang Berghofer mit seiner Kandidatur vor
allem Roßberg schade, schlug fehl. Das Taktieren des letzten
SED-Bürgermeisters quittierten die Dresdner mit dem mageren
Wahlergebnis von 12,2 Prozent. Etwa 4.000 Stimmen dürfte er von
vormals Wagner-Wählern erhalten und weitere 4.000 Nichtwähler
mobilisiert haben, schätzt Christian Eichner von der kommunalen
Statistikstelle ein. Büso-Kandidat Ronald Galle erhielt etwa 0,8
Prozent, 1,5 Prozent waren es zuvor.
Wir erkannten die Wechselwählerstimmung nicht, sagt
CDU-Fraktionschef Michael Grötsch. Warum sich die Dresdner mit so
deutlicher Mehrheit für den Gegenkandidaten entschieden haben, bleibt
ihm unklar. Am Programm kann es nicht liegen, denn Roßberg hat
kein schlüssiges Konzept, sagt er. Doch der Wahlkampf ist
vorbei. Jetzt gilt es auf die sachliche Ebene zurückzukehren. Auch
wenn wir jetzt unten sind, müssen wir in die Zukunft schauen,
fordert Grötsch seine Parteifreunde auf.
Friederike Beier, die am 10. Juni 8,67 Prozent der Wählerstimmen
erhielt, unterstützte diesmal Roßberg. Das zahlte sich deutlich
in der Äußeren Neustadt aus. Roßberg erhielt dort mit
72,94 Prozent sein bestes Ergebnis.
Insgesamt hat sich an den Hochburgen nichts verändert.
Roßberg-Unterstützer sind neben der Neustadt im Stadtzentrum und
Striesen-Ost zu Hause, während die Bewohner in den neuen Ortschaften,
Bühlau und Hellerau eher Wagner die Treue halten. Mit Ausnahme von
Weixdorf und Pieschen-Süd verlor Herbert Wagner überall. In der
Äußeren Neustadt kam er nicht einmal auf 20 Prozent. Das Duell
zwischen Amtsinhaber und Herausforderer entschied Roßberg jetzt sogar
in 46 der 60 Stadtteile für sich, ein Gewinn von vier Stadtteilen.
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