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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Für mich zählt nur fachliche Eignung
Ingolf Roßberg will keine Dezernenten nach Parteibuch
Der Tag nach dem Wahlkrimi: Die Feiern sind vorüber, die bitteren
Pillen der Niederlage geschluckt. Schon kocht die nächste Debatte
hoch: Wen wird sich der designierte OB Ingolf Roßberg (FDP) in die
Dezernentenriege holen?
Am 31. Juli will OB Herbert Wagner (CDU) die Amtsgeschäfte
übergeben. Wo er dann seine Brötchen verdienen wird, konnte er
gestern noch nicht sagen. Nach elf Jahren an der Rathausspitze steht ihm
eine lebenslange Pension von 35 Prozent seines letzten Grundgehaltes zu.
Das sind knapp 4.800 Mark brutto.
Am 1. August wird Ingolf Roßberg das Amtszimmer im zweiten Stock des
Rathauses beziehen. Bis dahin muss er seinen Schreibtisch in Wuppertal
ausräumen und den Spagat zwischen den Aufgaben in beiden Städten
schaffen.
Statt der siebenköpfigen Bürgermeisterrunde steht ihm dann nur
noch der Finanzchef Hanspeter Stihl (CDU) zur Seite. Er ist bis 2006
gewählt. Für mich zählt nur die fachliche Eignung und
nicht die Parteizugehörigkeit, sagt Roßberg. Heute will er
die 54 Bewerbungen, die im Rathaus für die sechs anderen
Dezernentenposten vorliegen, ansehen. Vielleicht sprechen wir noch
zusätzliche Bewerber an. Ich würde mich auch über eine
Dezernentin freuen, sagt Roßberg. Er habe aber weder der
Bürgerinitiative OB für Dresden noch den Parteien
PDS, SPD, Grünen, FDP und ÖDP, die ihn unterstützen,
Versprechungen gemacht.
Ohne Zustimmung des Stadtrates geht es nicht
Als Oberbürgermeister kann er zwar Bewerber vorschlagen, gewählt
werden die Dezernenten aber vom Stadtrat. Und dort geht derzeit nichts ohne
die CDU. Von 70 Stadträten gehören 33 zu dieser Fraktion. Sie
wiederum ist mit der FDP/DSU-Fraktion, nochmals fünf Stadträte,
eine Koalition eingegangen. Wir sind an einer sachlichen
Zusammenarbeit interessiert, sagt CDU-Fraktionschef Michael
Grötsch. Von Boykott könne überhaupt keine Rede sein. Er hat
sich um das Wirtschaftsdezernat beworben und hält daran fest. Sein
Fraktionskollege Hermann Henke rechnet sich Chancen als oberster
Stadtentwickler aus. Auch CDU-Kreisvorsitzender Dieter Reinfried macht
keinen Rückzieher. Karl Geiselbrecht, Wagners Büroleiter,
möchte Verwaltungsdezernent werden: Warum soll ich meine
Bewerbung nicht aufrecht erhalten? Langjährige berufliche Praxis
qualifiziert mich.
Mehr Chancen dürfte sich Dirk Hilbert, mit dem FDP-Parteibuch
versehen, ausrechnen. Er hat sich als Bürgermeister für
Wirtschaft und Umwelt beworben: Ich hoffe, dass Ingolf Roßberg
die eigenen Leute berücksichtigt. Ein erstes Gespräch
führte Roßberg schon mit Klaus Gaber von den Grünen. Er ist
Umwelt-Bürgermeister und übernahm nach dem Weggang von Jörg
Stüdemann auch die Kultur.
Wichtig ist Roßberg eine Modernisierung der Verwaltung. Sie
müsse für die Bürger da sein und sich nicht mit sich selbst
beschäftigen. Zum Jahresende sollen alle überflüssigen
internen Richtlinien abgeschafft werden, kündigt er an. Schon
gestern Abend besprach er mit Bürgermeister Stihl die Finanzlage.
Für einen ehrlichen Kassensturz brauche ich auch einen
Überblick über Risiken im Haushalt, sagt er.
Noch im August will er einen Mittelstandsbeirat gründen. Schnell
sollen auch Entscheidungen zur Philharmonie, zur Operette und zu
Sportstätten fallen. Städtische Behörden und Taxifahrer
erarbeiten gemeinsam ein Anti-Stau-Programm, so seine Vorstellungen.
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