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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Vom Schrott zum Sieger Dresdens neuer OB
Roßberg
Mit Ingolf Roßberg übernimmt ein Mann mit FDP-Parteibuch in
der Tasche die Geschicke von Sachsens Landeshauptstadt. Der 40-Jährige
versteht sich aber selbst als überparteilicher Politiker.
Nach monatelanger Suche war Roßberg erst Mitte Februar von der
Initiative OB für Dresden als
Oberbürgermeister-Kandidat in Sachsens zweitgrößter Stadt
aufgestellt worden. SPD, Grüne, FDP und nach einigem Zögern auch
die PDS unterstützten Roßbergs Wahlkampf. Einendes Ziel war die
nun gelungene Ablösung von CDU-Amtsinhaber Herbert Wagner, der seit
1990 an der Spitze der Stadt stand.
Im ersten Anlauf bei der Wahl am 10. Juni hatte Roßberg die absolute
Mehrheit nur knapp verfehlt. Er kam unerwartet auf 47 Prozent der Stimmen.
Amtsinhaber Herbert Wagner hatte nach einem zunächst eher
mäßigen Wahlkampf nur 42,8 Prozent für sich verbuchen
können. Bei der Neuwahl setzte sich Roßberg mit 47 Prozent der
Stimmen endgültig durch, obwohl überraschend noch der letzte
SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer als unabhängiger
parteiloser Kandidat ins Rennen ging.
Roßberg ist in Dresden kein Unbekannter: Bereits zwischen 1990 und
1994 war er dort Dezernent für Stadtentwicklung. Bis 2000 war er
Erster Bürgermeister in Radebeul bei Dresden. Erst im vergangenen
September wechselte der gebürtige Dresdner und Vater von drei Kindern
nach Wuppertal, um dort als Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen
und Verkehr zu arbeiten.
Der knappe Wahlslogan des 40-Jährigen lautete Roßberg
kann's. Er will seine Amtsführung nun nach dem Grundsatz
Zuerst Dresden und erst danach Parteipolitik gestalten.
Nachholbedarf sieht Roßberg, der in Dresden an der Hochschule
für Verkehrswesen studierte, vor allem in der Verwaltung, die
unbürokratischer arbeiten müsse. Schwerpunkte will er bei der
Förderung des Mittelstandes und dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
setzen.
Roßbergs Wahlkampf war stabsmäßig organisiert und brachte
ihm nicht nur Pluspunkte ein. Zum einen waren seine Dresdner Parteifreunde,
die im Stadtrat mit der CDU zusammenarbeiten, über die Art des
Zustandekommens seiner Kandidatur unzufrieden. Roßberg hatte sie
nicht um Zustimmung gebeten. Zudem gab es FDP-Kritik aus Wuppertal.
Roßberg selbst bewältigte dann einen Werbemarathon bei den ihn
unterstützenden Parteien. Unbeabsichtigt bekam er letztlich noch
Schützenhilfe von der CDU: Ministerpräsident Kurt Biedenkopf
hatte den Herausforderer als Schrott aus Wuppertal bezeichnet
und damit viel Empörung hervorgerufen.
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