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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Der Schock von Dresden
CDU-OB muss gehen
Wenn es denn ein Schachzug gewesen sein sollte, dann ist er an diesem
Sonntag gründlich schief gegangen. Entgegen allen Ankündigungen
hatte der frühere SED-Oberbürgermeister von Dresden, Wolfgang
Berghofer, zum zweiten Wahlgang seine Kandidatur für die OB-Wahl
bekannt gegeben. SPD und PDS witterten ein Manöver zugunsten der
Union, die darauf hoffte, der heute parteilose Freund von
Ministerpräsident Kurt Biedenkopf könnte dem
Oppositionskandidaten Ingolf Roßberg, der in der ersten Runde knapp
vorn lag, Stimmen nehmen. Der amtierende CDU-Oberbürgermeister Herbert
Wagner sollte davon profitieren.
Berghofer gewann rund zwölf Prozent der Stimmen viel weniger,
als er selbst erhofft hatte. Ein solches Ergebnis würde eine Blamage
sein, die nur der CDU helfen würde, hatte der heutige
Unternehmensberater vor der Wahl siegessicher erklärt. Doch Berghofer
und auch die CDU irrten. Ihr Kandidat Wagner schnitt am Ende mit 40 Prozent
sogar noch schlechter ab als in der ersten Runde.
Der von einer unabhängigen Bürgerinitiative nominierte
Roßberg gewann mit 47 Prozent der Stimmen. Er ist FDP-Mitglied, war
aber vom eigenen Stadtverband in Dresden nicht wirklich unterstützt,
sondern teilweise sogar bekämpft worden. Deshalb erscheint es bizarr,
dass die im Landtag nach herben Niederlagen nicht vertretene Sachsen-FDP
aus diesem Ergebnis nun Hoffnungen für die nächste Landtagswahl
ableiten will. Die kräftigste Unterstützung hatte Roßberg
im Wahlkampf von der Bürgerinitiative, die ihn stützte, und von
PDS und SPD erhalten.
CDU-Misserfolg in Großstädten
Die Niederlage kam für die CDU in Dresden nach elf Jahren, in denen
sie seit der Wende den Oberbürgermeister stellte, als Schock. Zudem
verlor die Partei in beiden Wahldurchgängen auch noch mit deutlichen
Ergebnissen erstmals vier Landkreise: einen davon Leipzig-Land
an die SPD, drei an unabhängige Kandidaten. Die PDS regiert
weiter in der Stadt Hoyerswerda.
Nach diesem Wahlgang hält die in Sachsen mit absoluter Mehrheit
regierende CDU von sieben großen Städten nur noch Zwickau
und dies liegt vor allem daran, dass sich bei der Wahl SPD und PDS nicht
auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen konnten. So gewann der
CDU-Bewerber mit 35 Prozent der Stimmen.
Biedenkopf, der noch letzte Woche in dramatischen Tönen vor dem neuen
Dresdner Oberbürgermeister Roßberg gewarnt hatte, reagierte nach
dessen Wahl sachlich-zurückhaltend. Das ist Demokratie,
kommentierte er das Ergebnis. Für die SPD sprach der
Landtagsfraktionschef Thomas Jurk von einem gut leserlichen
Denkzettel für Biedenkopf. Der PDS-Fraktionschef und
Landesvorsitzende Peter Porsch wollte in dem Ergebnis einen
Meilenstein auf dem Weg zum politischen Wechsel auf Landesebene im
Jahr 2004 erkennen. Die Wahl habe vor allem gezeigt, dass eine
Mehrheit gegen die CDU möglich sei.
Nach dem zusammengenommenen Ergebnis beider Wahlgänge stellen
Wählervereinigungen oder Einzelbewerber in 184 Kommunen den
Bürgermeister. Die CDU folgt mit 166 Bürgermeistern. Die SPD war
in 20 Städten und Gemeinden erfolgreich, die FDP in 21 und die PDS in
sieben. In 15 von 19 Kreisen setzten sich CDU-Landratskandidaten durch.
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