Presseartikel zur OB-Wahl 2001

Dresden: Roßberg neuer Oberbürgermeister

Der FDP-Politiker Ingolf Roßberg ist neuer Oberbürgermeister von Dresden. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erzielte Roßberg 47 Prozent der Stimmen. Er lag damit sieben Prozent vor Amtsinhaber Herbert Wagner. Außer dem Chefsessel im Dresdner Rathaus verlor die CDU auch die Landratswahlen in drei sächsischen Kreisen.

Der Auftritt fiel ihm sichtlich schwer: Mit versteinerter Mine trat der bisherige Dresdner CDU-Oberbürgermeister Herbert Wagner vor Journalisten, um seine Wahlschlappe einzugestehen. Das Ergebnis nach dem zweiten Urnengang war für den 52-Jährigen wie auch die Union eine verheerende Niederlage.

Nach dem Verlust des Oberbürgermeisterstuhls in der mit 476.543 Einwohnern zweitgrößten Stadt Sachsens wird die CDU vermutlich hart mit sich ins Gericht gehen und nach den Ursachen forschen müssen. Sachsens CDU-Landesvorsitzender Fritz Hähle sprach von einer „seltsamen Wechselstimmung“ in Dresden, wo elf Jahre unter CDU-Führung eine gute Politik gemacht worden sei. Der Amtsinhaber sei in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit schlechter dargestellt worden als er sei. „Ich will das nicht unbedingt der Dresdner CDU in die Schuhe schieben. Aber man muss schon fragen, woran das liegt.“

Der 40-jährige Roßberg, der von einem breiten Bündnis gestützt wurde, löst Amtsinhaber Wagner ab, der seit der Wende Oberbürgermeister in Dresden war. Der gebürtige Dresdner Roßberg war zuletzt Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr in Wuppertal. Er war 1994 schon einmal gegen Wagner angetreten.

Der bei der Wahl am Sonntag als neuer Kandidat angetretene letzte SED-Oberbürgermeister der Stadt, Wolfgang Berghofer, landete mit 12,2 Prozent auf dem dritten Rang. Berghofers Kandidatur hatte im Vorfeld heftige Kritik ausgelöst. Die Wahlbeteiligung lag mit fast 49 Prozent etwas höher als beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen.

CDU-Verluste im ganzen Land

Im Ringen um den Landratsposten im Kreis Leipziger Land setzte sich die SPD-Kandidatin Petra Köpping deutlich durch. Sie gewann mit fast 73 Prozent gegen Amtsinhaber Werner Dieck (CDU), der im ersten Wahlgang nicht angetreten war. Der ursprüngliche CDU-Kandidat Rolf Galisch hatte sich nach seiner Niederlage am 10. Juni nicht wieder zur Wahl gestellt.

In den Kreisen Annaberg und Freiberg gingen der CDU die Landratsposten ebenfalls verloren. Im Landkreis Annaberg muss Amtsinhaber Wilfried Oettel (CDU) seinen Platz an Jürgen Förster vom Bürgerforum abtreten. Förster erreichte 52,1 Prozent der Stimmen, Oettel kam auf 47,9. Im ersten Wahlgang hatte Oettel noch vorn gelegen. Im Landkreis Freiberg eroberte Volker Uhlig von der Allianz unabhängiger Wähler mit 64 Prozent der Stimmen den Landratssessel.

Die Wähler in 54 Städten und Gemeinden sowie drei Landkreisen waren am Sonntag erneut zum Urnengang aufgerufen gewesen. Die Neuwahlen der Bürgermeister und Landräte waren notwendig geworden, weil im ersten Wahlgang vor 14 Tagen keiner der Bewerber die absolute Mehrheit auf sich vereinigen konnte. Sachsenweit lag die Wahlbeteiligung zwischen 20 und 35 Prozent.

Wirtschaftswoche 27. Juni 2001

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