|
Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Dezernenten: Marschroute ist klar
FDP-Youngster Hilbert soll Wirtschaftschef werden, Gaber (Grüne)
wie Deubel (SPD) im Amt bleiben
Die Dezernentenauswahl lässt den künftigen
Oberbürgermeister Ingolf Roßberg und führende Köpfe
aus Stadtrat und Parteien die gleiche Sprache sprechen. Offiziell wollen
alle die Besten, auf Qualität und nicht aufs Parteibuch gucken,
gründlich die Bewerbungen sichten und noch keine Namen nennen.
Offiziell jedenfalls. Hinter vorgehaltener Hand ist Konkreteres zu
hören. Demnach werden vorwiegend Männer um die 60 die
Führungsriege des 40-jährigen OB bilden und alle Fraktionen darin
vertreten sein.
Ausnahme ist das Wirtschaftsdezernat, wo sich die FDP/DSU-Frak-tion
offenbar mit dem 29-jährigen Liberalen Dirk Hilbig durchsetzen kann,
Wunschkandidat von Fraktionschef Jan Mücke. Darauf hatten sich auch
CDU-Parteichef Dieter Reinfried (53) und CDU-Fraktionschef Michael
Grötsch (42) beworben. Grötsch, Anwalt mit eigener Kanzlei, geht
zwar bei den Dezernentenposten leer aus. Er soll aber ab Herbst neben der
Fraktion auch den CDU-Kreisverband führen und sich für die
OB-Wahl 2008 in Stellung bringen können. Das soll eher gelingen, wenn
er nicht in Roßbergs Führungsriege eingebunden ist. Reinfried
soll dem Vernehmen nach anstelle des Wirtschaftsressorts das Dezernat
für Ordnung und Sicherheit leiten. Über den jetzigen Dezernenten
Bernd Ihme (57, CDU) heißt es aus der Fraktion, er habe zu wenig
bewegt.
Kulturbürgermeister Klaus Gaber (58) bleibt nach derzeitigen
Vorstellungen im Amt, muss aber den Umweltbereich an Reinfried abgeben, der
bis Anfang 2000 Staatssekretär für Umwelt und Landwirtschaft war.
Gaber leitet das Kulturdezernat seit dem Abgang von Jörg
Stüdemann nach Dortmund und erhält weithin gute Kritiken. Wie er
soll auch Sozialdezernent Klaus Deubel (59, SPD) bleiben, an dessen Arbeit
in den vergangenen Jahren auch aus der CDU-Fraktion wenig Kritik aufkam.
Die PDS soll zumindest einen Parteilosen in der Dezernentenriege
wiederfinden können. Karl Geisselbrecht (58), derzeit Büroleiter
von Herbert Wagner, wird nach jetzigen Plänen zuständig für
das Verwaltungsdezernat. Er gilt als Wagners Kontaktmann zur PDS-Fraktion,
mit der er nach Stadtratssitzungen des öfteren im Ratskeller
zusammensitzt.
Offener ist die Lage allein beim Posten des Baubürgermeisters.
Hermann Henke (61), der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion und
nach eigener Einschätzung seit Jahren eine Art
Nebenbürgermeister, könnte zwar bei Verkehrsfragen, im
Wahlkampf ein Kernthema, eingebauter CDU-Gegenpol zu Roßberg sein. In
seiner Fraktion aber ist Henke, der einen Hang zur Selbstdarstellung hat,
nicht unumstritten. Mit Fraktionschef Grötsch etwa lag er beim Thema
Postplatz im Clinch. Siebter Mann ist Finanzbürgermeister Hanspeter
Stihl (CDU), der noch bis 2005 im Amt ist.
Roßberg, noch Dezernent in Wuppertal, mochte sich gestern nicht zu
Personalia äußern. Dass er Gaber gebeten hat, seine Belange bis
zur Amtsübergabe wahr zu nehmen, mochte er nicht als Vorentscheidung
werten. Er werde sich erst äußern, wenn er die Bewerbungen
intensiv gesichtet hat. Für Sonnabend ist ein Gespräch mit OB
Wagner angesetzt.
Drei Dezernenten verlassen das Rathaus in jedem Fall. Die SPDler Gunter
Just (65, Bau) und Rolf Wolgast (66, Wirtschaft und Verkehr) konnten sich
nicht wieder bewerben, weil sie die Altersgrenze von 65 überschritten
haben. CDU-Mann Wolf-Dieter Müller (61, Verwaltung) geht als
Geschäftsführer zur Wiederaufbau Frauenkirche GmbH.
Nächster
Artikel: Wagner scheiterte auch an der eigenen Partei
Vorheriger
Artikel: Görlitzer OB sauer: SPD warb mit ihm für
Roßberg
Übersicht: Alle Artikel
|