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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Historische Mission erfüllt. Und jetzt?
Bürgerinitiative OB für Dresden auf der Suche
nach neuem Selbstverständnis
Die Bürgerinitiative, die Ingolf Roßberg den Weg ebnete, hat
ihre historische Mission erfüllt. Bleibt die Frage nach der Zukunft:
Wird ihr Engagement jetzt noch gebraucht? Soll jeder zur Tagesordnung
übergehen? Oder winken nun die Traum-Jobs im Rathaus?
Für die Bürgerinitiative OB für Dresden
hört der Stress nach dem Roßberg-Sieg nicht auf. Sprecher
Dietrich Herrmann im normalen Leben TU-Sozialwissenschaftler
muss schleunigst ein Buch beenden, das im Wahlkampf liegenblieb. Lektorin
Christiane Filius-Jehne sitzen entfernte Verlage im Nacken, die Dresdens OB
wenig interessiert. Filmemacherin Regine Hempel hat einen Streifen zu
liefern, bekommt Druck von ihrer Mitproduzentin. Erst nach und nach bleibt
Zeit zum Besinnen: Wie weiter?
Büro bleibt bis Ende Juli besetzt
Die kleine Gruppe, die raus aus der Meckerecke wollte, trifft sich im
Kunsthof bei Buchhändler Christian Bahnsen wieder. Mit Roßberg
gab es inzwischen nur ein längeres Gespräch. Die Parteien machen
Sommerpause.
Für die nächsten Tage und Wochen sind die Aufgaben klar: Der
Büro-Betrieb auf der Maxstraße muss bis zur Amtsübernahme
am 1. August weiterlaufen. Von etwa 10 bis 16 Uhr sitzen Ehrenamtliche am
Telefon. Wir bekommen nach wie vor Wünsche und Anregungen,
manchmal auch offizielle Post, die wir ans Rathaus weiterleiten, sagt
Werner Becker, der während Roßbergs Wuppertal-Zeit noch
persönliche Sekretärin für ihn spielt. Mehrere Stunden
täglich bringt er mit Abrechnungen zu. Der Endspurt vor dem zweiten
Wahlgang kostete. Jetzt klaffen in der Kasse Lücken.
Langfristig freilich ist noch ziemlich offen, wohin die Reise geht.
Filmemacherin Hempel sieht`s pragmatisch: Ich war im Neuen
Forum, sagt sie. Doch irgendwann 1990 hatten uns die Parteien
überholt. Vaatz und Reinfried traten in die CDU ein. Wir hätten
uns friedlich auflösen sollen. In einer ähnlichen Situation
befinde sich nun auch die Bürgerinitiative, die demokratisch nicht mal
legitimiert sei.
Die meisten Mitglieder sind anderer Meinung. Lektorin Filius-Jehne
könnte sich die Bürgerinitiative als kritische Begleiterin
vorstellen.
Roßberg versprach eine überparteiliche,
sachbezogene Amtsführung, sagt sie. Darüber müsse man
wachen. Andreas Querfurth, bekannt durch das Entwicklungsforum, sieht die
Initiative als Integrations-Plattform, als Moderator zwischen den Parteien.
Die Themen fänden sich schon im Alltag.
Einig ist man sich bislang nur darüber: Eine neue Partei soll die
Bürgerinitiative nicht werden. Das Beispiel sogenannter
Stattparteien zeigt, dass das meist schief läuft, sagt Dietrich
Herrmann. Fotograf Günter Starke sind Parteien ohnehin suspekt.
Es würde nicht lange dauern, dann hätten wir wieder
festgefahrene Strukturen, aus denen wir ja raus wollten, sagt er.
Dicke Posten habe niemand versprochen
Auch auf eine politische Laufbahn als Stadtrat spekuliert keiner der
Beteiligten. Gewählt wird erst wieder 2004, sagt Herrmann.
Wer weiß, was bis dahin passiert. Posten im Rathaus,
versichern alle, habe Roßberg für die Unterstützung
niemandem versprochen. Wie auch?, sagt Filius-Jehne. Mit
Ausnahme der Dezernenten sind die Stellen besetzt und können nicht
reihenweise geräumt werden. Das widerspräche jeglicher
Spar-Notwendigkeit. Werde doch ein Job frei, müsse Roßberg
ausschreiben.
Wie auch immer die Zukunft aussieht, möchten viele die Erfahrungen
der Initiativ-Zeit nicht missen. Für mich war das
Faszinierendste, dass Ossis und Wessis vorbehaltlos an einem Strang
zogen, sagt Lektorin Filius-Jehne, die vor acht Jahren aus
Süddeutschland kam. Andreas Querfurth hat erstmals seit der Wende
erlebt, dass Dresdner von sich aus anklopften und mitmachen wollten.
Querfurth: Es wäre schade, wenn sich dieses Engagement wieder im
Sande verläuft.
Kontakt über Roßberg-Büro, Maxstraße 8, Telefon
4 86 19 39 oder
buero@OB-fuer-Dresden.de.
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