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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Roßberg: Europa wird zur Chefsache
Dresdens neuer OB will für marode Straßen und Schulen mehr
EU-Gelder abschöpfen
Dresden hat bei der EU über 260 Millionen Mark Fördermittel
beantragt. Es könnten noch mehr sein, meint der künftige OB
Ingolf Roßberg und will ein Erfolgshonorar für neue Geldquellen
einführen.
Wenn Ingolf Roßberg (FDP) im August das OB-Amt antritt, soll sich im
Rathaus einiges ändern. Eine seiner ersten Amtshandlungen: Europa wird
zur Chefsache. Bei der Vielzahl von EU-Förderprogrammen bin ich
sicher, dass Dresden längst nicht alle Geldquellen
ausschöpft, sagt er. So zum Beispiel für den Sport:
Während in der Landeshauptstadt Anlagen verfallen, hat Radebeul seine
Mehrzweckhalle mit Fördermitteln gebaut.
260 Millionen Mark schon beantragt
Derzeit unterstehen EU-Angelegenheiten noch Finanzbürgermeister
Hanspeter Stihl (CDU). Drei Mitarbeiter (einer davon halbtags) kümmern
sich um neue Programme, um die Information der zuständigen Ämter
und die Bearbeitung der Fördermittel-Anträge. Roßberg will
sie künftig im Büro des Oberbürgermeisters ansiedeln.
Das handhaben andere Städte auch so, sagt er.
Finanzchef Stihl hält es für weniger entscheidend, wem die Leute
unterstehen, sondern wie sie arbeiten. Viele Jahre lang wurden
Förderanträge im Rathaus unkoordiniert gestellt. Erst seit Anfang
2000 gibt es unter Stihl die zentrale EU-Stelle, die sich auch um
Förderprogramme von Freistaat und Bund kümmert. Seitdem
sind die Fördermittel sprunghaft angestiegen, sagt er.
Derzeit laufen städtische Anträge auf insgesamt 260,5
Millionen Mark EU-Fördergelder (133,2 Mio. Euro). Rund 160
Millionen Mark (81,8 Mio. Euro) davon seien bereits bewilligt. Laut Stihl
nutzt Dresden vor allem zwei große Fördertöpfe: den
Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (kurz Efre), aus dem
gewerbliche Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt unterstützt werden,
sowie den Europäischen Sozialfonds, der vor allem für
Beschäftigungsförderung und die Wettbewerbsfähigkeit
gewerblicher Unternehmen zur Verfügung steht. Allein für Dresdens
marode Straßen seien 2000 und 2001 knapp 100 Millionen Mark (51,1
Mio. Euro) Efre-Mittel beantragt. Darüber hinaus gibt es
unzählige Einzelprogramme mit wohlklingenden Namen wie Leonardo, Urban
oder Life.
Idee: Beratung für Mittelständler
Größtes Problem sind allerdings die Eigenmittel, die für
jede Fördermark in unterschiedlicher Höhe beigesteuert werden
müssen. Angesichts der Haushaltslage können wir deshalb gar
nicht jedes EU-Förderprogramm ausschöpfen, sagt Stihl.
Ingolf Roßberg will dieses Argument nicht gelten lassen. Der
Eigenanteil muss sich am konkreten Beispiel finden, sagt er,
zumal viele Dinge sonst später ohnehin aus Haushaltsmitteln
gemacht werden dann aber ungefördert. Insofern könne
er sich sogar vorstellen, neu erschlossene Förderquellen mit einem
Erfolgshonorar zu belohnen. CDU-Fraktionschef Michael Grötsch
schlägt vor, zur zentralen EU-Stelle noch einen EU-Berater im Amt
für Wirtschaftsförderung zu installieren. Er soll vor allem
Mittelständler, Existenzgründer und Investoren über
Förderprogramme, Zugangs-Voraussetzungen und Antragsformalitäten
beraten. Finanzchef Stihl: Eine prima Idee.
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