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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Auch Radebeuls OB Kunze will Dezernentenposten
Höheres Einkommen winkt / Westgehalt für Roßberg
In den Bürgermeisterpoker kommt wieder Bewegung: Auch Radebeuls
Noch-OB Volkmar Kunze (FDP) will Verwaltungsdezernent werden. Wählt
ihn der Stadtrat im August oder September, würde er unter seinem
Ex-Stellvertreter Ingolf Roßberg arbeiten. Kunze zeigte sich
verärgert, dass seine Bewerbung durchsickerte. Er und Roßberg
hätten sehr gut als Team zusammengearbeitet und viel
für Radebeul erreicht. Die Frage des Vorgesetzten hat zwischen
uns nie eine Rolle gespielt, sagte er den DNN.
Der Abstieg in der Hierarchie wäre finanziell ein Aufstieg. Ein OB
einer 30.000-Einwohner-Stadt wie Radebeul verdient als Wahlbeamter nach
Ost-Tarif derzeit 88,5 Prozent von dem, was West-Kollegen verdienen
rund 10.400 Mark im Monat. Ein Dresdner Dezernent aber liegt
mindestens eine Stufe höher und erhält als Grundgehalt 11.000 bis
12.000 Mark. Zulegen wird auch Roßberg. Er klettert vier
Gehaltsstufen, und wegen seines bisherigen Dezernentenjobs in Wuppertal
erhält er nach Beamtenrecht wie dort den vollen Tarif. Als OB
heißt das: 15.485 Mark, knapp 3.000 Mark mehr als bisher. Noch-OB
Wagner ist mit 13.700 Mark billiger, weil er nach Ost-Tarif bezahlt wird.
Im Radebeuler Rathaus verdiente Roßberg vor seinem Wechsel in den
Westen im vergangenen Jahr knapp über 9.000 Mark.
Für Kunzes Parteifreund Jan Mücke, Vize-Chef der Dresdner
Liberalen und Vorsitzender der FDP/DSU-Stadtratsfraktion, kam die Bewerbung
offenbar überraschend. Er habe erst durch eine Mitteilung der
Verwaltung davon erfahren, sagte er den DNN. Die offizielle Bewerbungsfrist
war am 8. Juni ausgelaufen, zwei Tage vor dem ersten Durchgang der OB-Wahl.
Kunze war dabei in Radebeul nur auf dem zweiten Platz gelandet. Lange vor
der Wahl will Mücke mit Kunze über das Thema gesprochen haben.
Mückes Fraktion hat ein Dezernat für sich gefordert und als
Kandidaten den 29-jährigen FDP-Mann und Wirtschaftsingenieur Dirk
Hilbert präsentiert. Er soll nach ihrer Vorstellung
Wirtschaftsbürgermeister werden. Für diesen Posten aber gibt es
prominente CDU-Konkurrenz: Fraktionschef Michael Grötsch und
Parteivorsitzender Dieter Reinfried haben sich beworben.
In Kunze und dem Verwaltungsressort mochte Mücke keine Alternative
sehen. Wir werden in jedem Fall an Dirk Hilbert festhalten,
sagte er. Der Fraktionsbeschluss sei für ihn bindend. Insofern
kommt der Volkmar ein bisschen zu spät, sagte Mücke
über die Ambitionen seines Duz-Freundes. Das sei auch eine Frage des
Ressorts: Ein Wirtschaftsdezernent könne liberale Politik nach
außen vertreten, ein Verwaltungsbürgermeister wirke eher nach
innen. Dass Kunze ein Fachmann sei, stehe außer Frage. Doch:
Für das Verwaltungsdezernat gibt es bereits einen fähigen
Kandidaten, den ich mir dort ausgezeichnet vorstellen kann, sagte
Mücke mit Blick auf die Bewerbung von Karl Geisselbrecht, dem
Büroleiter von Noch-OB Wagner. Den wiederum würde Roßberg
gerne in seiner jetzigen Position halten.
Roßberg war 1994 in Radebeul als 1. Bürgermeister und
Stellvertreter seines Parteifreunds Kunze untergekommen. Der Dresdner
Stadtrat hatte ihn zuvor nach vierjähriger Amtszeit als
Stadtentwicklungsdezernent nicht wiedergewählt. Er will Kunze nicht zu
der Bewerbung aufgefordert haben. Er hat mir gesagt, dass er aus dem
Stadtrat heraus angesprochen worden sei und wollte wissen, ob mir das
unangenehm sei. Nein, habe ich gesagt, äußerte sich
Roßberg.
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