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Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Zwei Kaiserlinden als Erinnerung
Abschied mit Kloß im Hals: Herbert Wagner ist nach elf Amtsjahren
ab heute Oberbürgermeister a. D.
Am Ende versagte ihm beinahe die Stimme. Mit einem Kloß im Hals
presste Herbert Wagner noch beste Wünsche und Gottes Segen für
die Stadt hervor, deren Oberbürgermeister er bis gestern war. Dann
waren, mit mühsam unterdrückten Tränen, die letzten
offiziellen Worte nach elf Jahren gesprochen. Minister, Abgeordnete,
Dezernenten und Stadträte, Funktionsträger und Freunde, mehrere
hundert Gäste begleiteten im Plenarsaal seinen Abschied.
Ministerpräsident Kurt Biedenkopf erinnerte ihn dabei daran, dass er
mit 53, etwa in Wagners Alter, als Oppositionschef im
nordrhein-westfälischen Landtag abgewählt wurde Sie
sehen, es war kein Schaden.
Biedenkopf hatte zuvor für ein Raunen im Saal gesorgt. Als Beispiel
für Wagners Geduld bei wichtigen städtischen Entscheidungen
nannte er als langjähriger Schevenstraßen-Mieter kaum
drei Kilometer vom Waldschlößchen entfernt die
Wasserschlösschenbrücke. Auf seine kritisierte
Wahlkampf-Äußerung, der später zum OB gewählte Ingolf
Roßberg sei Schrott aus Wuppertal, ging er nicht ein.
Roßberg nahm wie vereinbart nicht an der Feier teil.
Der Abschied fiel wagnerisch bescheiden aus. Ein paar Getränke, ein
paar Knabberstangen. Nicht viel Aufsehens um sich zu machen, erkannte sein
Vize Klaus Deubel von der SPD als schätzenswerten Wesenszug. Wagner
wollte gar keine Feier, Fraktionschefs mussten ihn dazu überreden. Bei
seinen Abschiedsworten griff er Stücke seiner Wahlkampfrede auf, wenn
er etwa nochmals daran erinnerte, dass Dresden von der Wirtschaftskraft
inzwischen Duisburg überholt habe. Froh und dankbar sei er, dass er
der Stadt habe dienen dürfen. Gerne hätte er weiter gemacht,
doch: Es sollte nicht sein. Die CDU-Fraktion ließ einen
Mann sprechen, der Wagner durchweg begleitet hat. Sie haben in
Dresden bleibenden Spuren hinterlassen, gab Ludwig-Dieter Wagner, von
1990 bis 1999 Fraktionschef, seinem Namensvetter mit. Zwei Kaiserlinden,
sagte er, sollen an der Waisenhausstraße an die Amtszeit des Mannes
erinnern, der nun Ex-OB ist. Alles hat seine Stunde, für jedes
Geschehen unter dem Himmel gibt es eine Zeit, hatte
Grünen-Stadtrat Peter Zacher, sein Weggefährte aus der Wendezeit,
zuvor aus dem Alten Testament zitiert. Mit Wagner entlasse die Revolution
wieder eines ihrer Kinder, und deshalb empfinde er bei seinem Abgang keinen
Triumph. Auch Zachers Oppositionskollegen wählten warme Worte zum
Abschied. SPD-Fraktionschef Andreas Herrmann sah Wagner in der Lage, das
Rathaus aufrechten Ganges zu verlassen. PDS-Mann Ronald Weckesser hat ihn
als OB vielfach kritisiert. Gestern resümierte er: Niemand kann
Ihnen Ihr Engagement in den vergangenen Jahren absprechen.
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