Presseartikel zur OB-Wahl 2001

Im Dresdner Rathaus wird heute Abschied gefeiert

Letzter Amtstag für OB Wagner/Neuer Amtsinhaber nicht eingeladen

Im Dresdner Rathaus wird heute Abschied gefeiert: Oberbürgermeister Herbert Wagner (CDU) verlässt nach elf Jahren seinen Posten. Bei einer kleinen Feier werde Wagner vor Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Stadträten die Zeit „noch einmal Revue passieren lassen“, sagte gestern sein Sprecher Ulrich Höver. Das künftige Stadtoberhaupt Ingolf Roßberg (FDP) ist dazu nicht geladen. Der Überraschungssieger bei den Oberbürgermeisterwahlen am 24. Juni erhält einen Tag später aus der Hand seines Vorgängers die goldene Amtskette. Mit seinen 52 Jahren will sich Wagner noch nicht auf das Altenteil setzen: „Für mich steht eine berufliche Neuorientierung an.“ Bis Herbst wolle er über seine Zukunft entschieden haben. Ob der promovierte Computeringenieur erneut in die Politik, in die Wirtschaft oder zu einem Verband gehen wird, sei noch unklar. Als finanzielles Ruhepolster wird Wagner bis an sein Lebensende pro Monat 35 Prozent seines bisherigen Brutto-Gehaltes beziehen. „Das sind rund 4.800 Mark vor Abzug der Steuern“, sagte Höver. Auf Nachfolger Roßberg warten mit der Amtseinführung bereits die ersten Herausforderungen. „Die erste Aufgabe, bei der er richtig gefragt sein wird, ist die Besetzung der offenen Dezernenten-Stellen“, sagte der Chef der Stadt-PDS, Ronald Weckesser. Aus der alten Wagner-Mannschaft bleibt nur der Finanzbeigeordnete Hanspeter Stihl (CDU) auf seinem Posten. Um die sechs freien Stellen rangeln derzeit die Parteien. Der von einer Bürgerinitiative aufgestellte Roßberg wurde im Wahlkampf von SPD, Grünen und FDP und nach einigem Zögern von der PDS unterstützt. Der 40-Jährige will nach eigener Aussage auch die Christdemokraten in sein Kabinett holen. Ein Grund: Im Stadtrat hat die CDU derzeit die Mehrheit. Neuwahlen stehen erst 2004 an. Die CDU könnte zwei weitere Dezernenten vorschlagen, sagte Roßberg. Bisher habe es auf das Angebot keine Reaktion gegeben. Angestellte der Stadt Dresden dürften auf die ersten Amtstage Roßbergs besonders gespannt sein: Als eine seiner dringendsten Aufgaben sehe er die Reform der Stadtverwaltung, so Roßberg. Auch einigen „heißen Eisen“ aus der Amtszeit Wagners wie der drohenden Pleite der Aufbaugesellschaft Prager Straße wolle sich der neue OB noch im August stellen.

Lausitzer Rundschau (dpa/wie) 1. August 2001

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