|
Presseartikel zur OB-Wahl 2001
Roßberg packt Verkehrsprobleme an
Der neue Oberbürgermeister wird heute vereidigt / Streit um
Bürgermeisterposten
Stabswechsel: Ab heute ist Ingolf Roßberg (FDP) neuer
Oberbürgermeister. Ex-OB Herbert Wagner (CDU) überreicht ihm um
8.30 Uhr die Amtskette. Seit der Wahl am 24. Juni hat Roßberg
fleißig hinter den Kulissen gearbeitet.
Als Erstes lässt der neue Oberbürgermeister den Knauf an seiner
Tür auswechseln. Stattdessen kommt eine Klinke dran. So kann jeder
seine Tür aufmachen. Ingolf Roßberg will zeigen, dass er
für die Bürger ansprechbar ist. Um das zu bekräftigen,
stehen heute zwischen 17 und 19 Uhr die Türen zu seinem Dienstzimmer
für jedermann offen. Schon jetzt stellt er die Weichen bei
umstrittenen Dauerthemen.
Verkehr
Den Ausbau der Königsbrücker Straße will Roßberg
vorantreiben. Hier gibt es seit Jahren Streit: Weil die Straßenbahn
einen eigenen Gleiskörper beansprucht, reicht der Platz nicht mehr
für einen vierspurigen Ausbau und für Radwege. Der eigene
Gleiskörper zwischen Stauffenbergallee und Albertplatz ist für
mich keine Voraussetzung, auch nicht für die Förderung,
sagt Roßberg. Ich werde mit den Dresdner Verkehrsbetrieben
beraten, wie dennoch die Bahn das Vorrecht erhält.
Völlig unerwartet geht er mit der Bodenbacher Straße ein
Dauerärgernis an. Das Regierungspräsidium wird uns helfen,
die Fehler bei der Bodenbacher Straße zu beheben. Wir werden die von
den Radfahrern als mangelhaft beklagten Radwege vollenden und für
intelligente Ampelschaltungen sorgen, sagt er. 1999 hatte die Stadt
die 3,8 Kilometer lange Strecke für den Verkehr freigegeben. 35
Millionen Mark (17,9 Millionen Euro) kostete der Ausbau. Danach aber stehen
die Autofahrer noch mehr als zuvor im Stau. Eine Million Mark (511.292
Euro) soll die Ausbesserung kosten.
Zum Thema Waldschlößchenbrücke saß Roßberg
bereits gestern mit Verkehrsplanern und Umweltfachleuten zusammen.
Wir können nicht noch weitere fünf Jahre planen. Der Knoten
muss endlich durchschlagen werden, sagt er. Wenn die Brücke 2004
fertig werden soll, müsse im nächsten Jahr mit den Bauarbeiten
begonnen werden. Versuche, mit staatlicher Gewalt die Abbindezeit von
Beton zu verkürzen, sind schon zu DDR-Zeiten kläglich
gescheitert, spottet er. Voraussetzung für den Baubeginn sei
aber die Genehmigung durch das Regierungspräsidium. Das sehe bei den
Planungen für die Brückenköpfe an beiden Elbufern erhebliche
Probleme. Wir müssen deshalb die Planungen
überarbeiten.
Bürgermeister
Gleich heute erläutert Roßberg vor den Bürgermeistern und
Amtsleitern seine Vorstellungen über eine moderne Verwaltung. Eine
Arbeitsgruppe, der auch der Gesamtpersonalrat und die
Wirtschaftsberatungsfirma Wibera angehören, wird die neuen Strukturen
erarbeiten.
Die dringendste Aufgabe für den neuen OB und den Stadtrat ist es
jetzt, gemeinsam die neuen Bürgermeister zu finden. Da
Finanzbürgermeister Hanspeter Stihl bis 2006 gewählt ist, bleiben
sechs Posten offen. Allerdings hat sich Roßberg schon weit aus dem
Fenster gehängt: Er will ein Dezernat für Umwelt und
Kommunalwirtschaft mit Klaus Gaber (Grüne) an der Spitze einrichten
und dafür das Dezernat Allgemeine Verwaltung abschaffen. Das aber
sorgt für den ersten Krach im Stadtrat. Dort hat die Koalition aus
CDU- und FDP/DSU-Fraktion die Mehrheit. Auf ihre Anregung hin verzichtete
der Stadtrat im April gerade auf das Umweltdezernat. Jetzt müssen sich
die Stadträte am 9. August erneut mit diesem Thema befassen.
Roßberg wünscht sich an seiner Seite eine erfahrene Mannschaft.
Sachkenntnis sei ihm dabei wichtiger als Parteizugehörigkeit. Namen
nennt er allerdings noch nicht. Erst am Freitag beginne eine
Findungskommission mit der Arbeit. Jede Fraktion sollte nach dem
Wuppertaler Modell für mindestens ein Dezernat das Vorschlagsrecht
erhalten. Das schließe auch die PDS ein. Wobei ich mir für
die CDU vorstellen könnte, dass sie neben dem Finanzdezernat noch zwei
weitere Geschäftsbereiche besetzen kann, sagt Roßberg.
Kultur
2006 hat die Dresdner Philharmonie ihren eigenen Konzertsaal,
verspricht der neue OB. Dazu werde der Kulturpalast umgebaut. Bis zum
Jahresende sollen die Beratungen mit dem Investor Sachsenbau Chemnitz
abgeschlossen sein. Parallel kümmert sich Roßberg um das
Kongresszentrum. Wir suchen nach einer Lösung. Seit April ist im
Rathaus bekannt, dass der geplante Saal während der Umbauzeit für
den Kulturpalast weder für die Philharmonie noch als Stadthalle
brauchbar ist.
Erste Wahlversprechen
Schon vor Amtsantritt löste Roßberg erste Wahlversprechen ein.
So nahm Finanzbürgermeister Hanspeter Stihl (CDU) auf seinen Vorschlag
hin die elfprozentige Kürzung für die Kultur zurück. Um die
dafür benötigte Summe von fast 400.000 Mark (204.517 Euro)
einzusparen, sollen die Gutachten zur Privatisierung von
Stadtentwässerung und Stadtreinigung an andere Firmen übergeben
werden. Die sind deutlich preiswerter, sagt Roßberg.
Wir haben uns auch schon geeinigt, dass im Haushaltsplan für
2002 die Zuschüsse an freie Träger der Jugendhilfe von 13 auf 16
Millionen Mark (8,2 Millionen Euro) erhöht werden.
Nächster
Artikel: Roßberg im Amt mit Migräne!
Vorheriger
Artikel: Wagner sagt danke
Übersicht: Alle Artikel
|