Der ADFC Dresden e. V. zur Waldschlößchenbrücke

Artikel aus Speiche 04/2003 (Zeitschrift des ADFC Dresden e. V.).

Wir wollen Sie nicht!

Die Waldschlösschenbrücke birgt verlockende Möglichkeiten, warum wir sie trotzdem nicht wollen, soll hier kurz erläutert werden:

Pro: Der ADFC ist nicht unbedingt Umweltschutzverein, sondern ein Interessensverband, der zum Beispiel auch Oberflächenversiegelung fordert. Genauso wünschen wir uns Abkürzungen zu schaffen. Hier könnte man gut eine Viertelstunde sparen, wenn man per Rad von Striesen in die Neustadt oder nach Klotzsche wollte.

Unsummen sind bereits in die Planung investiert. Jetzt nicht bauen, das wäre blamabel. Sprächen wir als ADFCDresden uns dagegen aus, dann setzten wir uns wieder in die Ecke derjenigen, die blockieren, die unrealistisch jede Veränderung zum Fortschritt in Dresden verhindern. Das kennt man ja schon – jeder hat was zu nörgeln und am Ende bleibt alles beim Alten! Zur Waldschlösschenbrücke gab es außerdem schon früher eine detaillierte Kritik des ADFC (7/2000 ES), warum also jetzt ganz dagegen sein?

Contra: Wer einmal am Waldschlösschen gesessen hat, weiß, wie herrlich entspannend der Blick auf die weite Flussaue mitten in der Stadt ist. Am anderen Ufer ist keine Brücke zu sehen. Mitten in der Großstadt, wo gibt es das heute noch? Seit Jahrhunderten ist dieser Blick unverbaut.

Welcher Verlust in Dresdens Stadtbild! Die Waldschlösschenbrücke kostet planungsgerecht mindestens 130 Mio. Euro. Folgekosten im Unterhalt werden in der Regel mit 1% angesetzt, d.h. 1.3 Mio. Euro im Jahr nach Fertigstellung! Zum Vergleich: Der Etat für Radverkehrsförderung beträgt 0,2 Mio. Euro!!! So viel Geld ist also da!

Warum verkommt dann das vorhandene Verkehrsnetz so derart? Überall fürchtet der Radler Schlaglöcher. Instandsetzungsmaßnahmen werden nur in Verbindung mit Landesfördergeldern durchgeführt, Straßenräumung wird oft genug gar nicht auf Radverkehrsanlagen ausgedehnt, bei Bauabsperrungen sind Fahrrad-Umleitungen immer "zu teuer", Großpflaster wie am Fetscherplatz – seit Jahren völlig durchgedrückt und gefährlich! Auch die seit sechs Jahren fällige Umsetzung der StVO-Novelle: Alles zu teuer, heißt es!

Weshalb auf einmal diese Verschwendung? Auch die Stadt sollte gewarnt werden, nicht in die Schuldenfalle zu tappen. Wir wünschen uns stattdessen eine störungsfreie Fahrradroute auf der Pfotenhauerstraße, das wäre dann nicht mehr möglich. Und schließlich: Wer Autostraßen baut, der wird Autoverkehr ernten. Die Verlängerung der Stauffenbergallee bis zur Fetscherstraße läuft zwingend auf die Untertunnelung des Großen Gartens hinaus. Kosten über Kosten. Und dazu immer mehr Autos in der Innenstadt.

Wir habe lange diskutiert, und sind zu einem klaren Ergebnis gekommen: der ADFC lehnt die Waldschlösschenbrücke ab. Den genauen Text des ADFCEinspruches kann man bei uns anfordern.

ADFC steht für Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club. Der obige Artikel wurde der „Speiche“ entnommen. Diese erscheint monatlich und enthält Informationen des ADFC Dresden e. V.

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