Waldschlößchenbrücke – Presse-Artikel

Artikel aus: Dresdner Neueste Nachrichten (Ralf Redemund) 5. April 2003

Erneut Debatte um Waldschlößchenbrücke

Fluch oder Segen? Die geplante Waldschlößchenbrücke und die Folgen für die Umwelt erhitzen nach dem DNN-Interview mit dem Verkehrsexperten Prof. Udo Becker von der TU Dresden wieder die Gemüter (siehe Briefe an die Redaktion). Jetzt kam heraus: Die voraussichtlichen Kosten für Betrieb und Unterhalt der Elbquerung betragen nach Angaben der Stadt jährlich 429.000 Euro – das ist so viel wie für drei andere Brücken zusammen: Blaues Wunder (134.000), Albertbrücke (150.000) und Augustusbrücke (155.000). Diese Zahlen hat am Freitag PDS- Stadtrat Andrè Schollbach präsentiert.

Nach jahrelanger Varianten-Diskussion steht nun im Planfeststellungsverfahren das Bauwerk selbst zur Debatte. Doch weniger die Kosten für den Brückenbau (schätzungsweise 137,6 Millionen Euro) standen am Donnerstag im Kino „Metropolis“ vor 140 Bürgern zur Diskussion, sondern die Auswirkungen auf Anwohner und Umwelt. Auf Einladung der Fraktion BündnisGrüne/ Freie Wähler debattierten viele Gegner, einige Unentschlossene, wenige Befürworter.

Grünen-Rechtsanwalt Johannes Lichdi betonte: Juristisch sei noch nichts entschieden. Die Bürgerbeteiligung am Planfeststellungsverfahren sei in vollem Gange. Bis 10. April liegen die Planungsunterlagen – zwölf Aktenordner – im Technischen Rathaus zur Einsicht aus, bis 24. April können die Bürger Bedenken schriftlich äußern. Es gelte die Regel: Ohne Einwände später keine Klagemöglichkeit. Auch Ex- Umweltbürgermeister Klaus Gaber engagiert sich wieder. Er sieht in dem Bau ein Landschaft zerstörendes, umweltbelastendes und überteuertes Projekt.

Natürlich mischt jetzt auch die PDS-Fraktion wieder mit. Der Rekord-Fragesteller im Stadtrat, Andrè Schollbach, erhielt von der Verwaltung wieder jede Menge Antworten. 15 wesentliche Plan- Änderungen listete ihm die Stadt seit dem ersten Stadtratsbeschluss vom Juni 1996 auf. Was das an Arbeitsstunden kostete, kann die Stadt nicht mehr nachvollziehen. Dafür die Finanzmittel für Planung, Gutachten und Projektierung: satte 13,1 Millionen Euro. In Torgau, Meißen oder Riesa reichte diese Summe, um komplett neue Brücken zu errichten.

Dass Einwendungen etwas bewirken können, zeigte sich schon 2000. Damals ließ das Regierungspräsidium (RP) Dresden das Planfeststellungsverfahren platzen. Im Wesentlichen, weil die Lärmgrenzwerte in den Prognosen um bis zu 15 Dezibel überschritten wurden. Im Auftrag der Stadt hat das Ingenieurbüro Müller-BBM aus München jetzt wieder Überschreitungen festgestellt, zum Beispiel am Herz-Kreislauf-Zentrum. An der Einmündung Fischhausstraße werden die Grenzwerte punktuell um bis zu 20 Dezibel überschritten.

Auch die Verkehrsprognose gibt vielen zu denken: Sie sagt zwar für die Innenstadt Entlastung voraus, dafür müssen Johannstadt und Striesen tüchtig leiden (siehe Tabelle). Für Grüne und PDSler steht darum fest: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Brücke nicht genehmigungsfähig. Grenzwertüberschreitungen verhindern aber nicht automatisch eine Genehmigung – das RP könnte auch Auflagen erteilen und dann ein Auge zudrücken, so Lichdi.

Infos zur Planung im Technischen Rathaus, Hamburger Straße 19, Zi. 1152, werktags 8-16 Uhr (Di./Do. bis 18 , Fr. bis 14 Uhr) Oder im Stadtteilhaus Prießnitzstr. 18, Di./ Do. 17-21 Uhr, im Internet unter www.pds-dresden.de oder www.leben-in-dresden.de

Artikel aus: Dresdner Neueste Nachrichten (Ralf Redemund) 5. April 2003

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