Waldschlößchenbrücke – Presse-Artikel

Artikel aus: Sächsische Zeitung 7. April 2003

Kein Ende im Brückenstreit

In sieben Jahren 13 Millionen Euro verplant – Und wieder ist alles offen

Der Streit um die Waldschlößchenbrücke geht in die nächste Runde. Nachdem die Stadt nach sieben Jahren Planung und Umplanung zum zweiten Mal eine Variante zur Genehmigung eingereicht hat, formiert sich neuer Widerstand. Eine Bürgerinitiative unter Federführung von Umweltbürgermeister Klaus Gaber (Grüne) will die Brücke verhindern. Die CDU dagegen drängt auf einen raschen Baubeginn. Die Brücke war eines ihrer wichtigsten Wahlversprechen. Und bereits nächstes Jahr wird ein neuer Stadtrat gewählt. Beide Parteien sagen, was für bzw. was gegen die rund 130 Millionen Euro teuere Brücke spricht. Die Dresdner indes können noch bis Donnerstag im Technischen Rathaus, Hamburger Straße 19, die Pläne einsehen und bis 24. April Einspruch erheben.

Pro: Wir brauchen den Bau jetzt

CDU-Fraktionschef Michael Grötsch in: Sächsische Zeitung 7. April 2003

Wer die Brücke jetzt noch verzögert, verhindert sie und damit eine verkehrsentlastende und landschaftsverträgliche Lösung für die Dresdner. Viele haben die nicht enden wollende Diskussion satt.

Der Standort der Brücke am Waldschlößchen liegt richtig im Straßennetz: Schon im Verkehrskonzept von 1994 stellte der Stadtrat fast einstimmig fest, dass es zu dieser Querung im Dresdner Osten keine Alternative gibt. Mit Fertigstellung der Brücke müssen die Menschen aus den dicht besiedelten Wohngegenden im Südosten auf ihrem Weg zu den Gewerbegebieten oder der Autobahn im Norden nicht mehr das Stadtzentrum durchfahren, sondern können den kürzeren und schnelleren Weg über die Stauffenbergallee nehmen. Dresden braucht die Brücke gerade auch vor den anstehenden größeren Sanierungen von Albertbrücke und Blauem Wunder und nach schlimmer Erfahrung als hochwassersichere Elb-Querung im Osten.

Der Stand der Vorarbeiten ist günstig: Der Verkehrszug vom Olbrichtplatz über die wieder hergestellte Prießnitzbrücke bis zur Tunneleinfahrt am Ende der Stauffenbergallee ist vierstreifig. Auch für die Verlagerung der Vogelwiese von den Johannstädter Elbwiesen ist der Interimsstandort fertig. Nutzen und Kosten stehen in einem vernünftigen Verhältnis zueinander. Wir brauchen den Bau der Brücke gerade jetzt, da die dafür bereitstehenden EU-Fördermittel ab 2006 drastisch zurückgefahren werden.

Die Brücke wird dazu beitragen, dass in unserer schönen Stadt besser gelebt und gewirtschaftet werden kann und dass nicht wirtschaftliche Stagnation Anlass zur Abwanderung junger Menschen wird. Die Waldschlößchenbrücke ist Bestandteil der Anmeldung als Unesco-Weltkulturerbe – das Ansehen Dresdens in der internationalen Öffentlichkeit würde unermesslichen Schaden nehmen, käme sie nicht!

Kontra: Der Preis ist zu hoch

Ex-Umweltbürgermeister Klaus Gaber (Grüne) in: Sächsische Zeitung 7. April 2003

Eine Trasse durch den Großen Garten, eine Hochstraße über den Zwinger – was ist in Dresden möglich? Dies wahrscheinlich nicht, wohl aber ein monströses Verkehrsbauwerk in Dresdens schönstem Landschaftsraum. Die liebliche Lage im Elbtal mit den harmonischen Blickbeziehungen zwischen Stadt, Fluss und Landschaft gehört zu den Kostbarkeiten unserer Stadt, die weit über ihre Grenzen hinaus gepriesen werden.

Und was gewinnen wir, wenn wir dies preisgeben? Eine vierspurige Magistrale, auf der mehr Fahrzeuge fahren können als derzeit auf der Carolabrücke. Einen Anreiz für den überregionalen Verkehr, der allerdings spätestens am Großen Garten zum Stehen kommt. Eine Verkehrsflut, die sich in die bisher ruhigen, wertvollen Wohnviertel in Blasewitz, Striesen und im Preußischen Viertel ergießt und die Anwohner mit Abgasen und Lärm, teils über die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte hinaus belastet. Und, zumindest anfänglich, verkehrliche Entlastungen der benachbarten Brücken und in Teilen des Straßennetzes. Aber bereits für den Zeitraum bis 2015 weisen die Prognosen aus, dass zum Beispiel auf dem Blauen Wunder der alte (Stau-) Zustand wieder hergestellt sein wird. Dies bestätigt die verkehrswissenschaftliche Erkenntnis, dass neue Kapazitätsangebote zu mehr Verkehr und damit zu erneuten Überlastungen führen.

Wäre es nicht sinnvoller, die horrende Summe für Bau und Unterhaltung in die Verbesserung der vorhandenen Straßen, in günstige Angebote bei Bahn und Bus und in verkehrsvermeidende Maßnahmen zu stecken? Das wäre stadtverträglich, würde die Lebensqualität für alle Bürger verbessern und uns und unseren Kindern die landschaftliche Kostbarkeiten der Elbauen und -hänge erhalten, die zu Recht zum Weltkulturerbe gehören.

Artikel aus: Sächsische Zeitung 7. April 2003

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