Waldschlößchenbrücke – Presse-Artikel

Artikel aus: Sächsische Zeitung (Thilo Alexe) 25. Oktober 2003

Brückenbau in Gefahr

Das Regierungspräsidium will es jetzt wissen: Was ist das Ziel der Waldschlößchenbrücke?

Der Bau der Waldschlößchenbrücke ist vermutlich in weite Ferne gerückt. Das Regierungspräsidium Dresden fordert von der Stadt umfassende Nachbesserungen an der Planung. Unklar ist, ob die Arbeiten wie vorgesehen 2004 beginnen können.

Das interne Papier mit dem Aktenzeichen 41-0513.27/10-WSB hat es in sich. Unter dem recht fordernden Titel „Nacharbeiten durch die Landeshauptstadt Dresden“ listet das Regierungspräsidium (RP) in exakt 42 Punkten auf, wo die Kommune an den Plänen für die rund 130 Millionen Euro teure Waldschlößchenbrücke nachbessern muss.

Ein solcher Vorgang im Zuge des Planfeststellungsverfahrens und der damit verbundenen Anhörung von Gegnern des umstrittenen Bauwerks ist an sich nichts Ungewöhnliches. Denn Änderungen zählen bei Verkehrs-Großprojekten zur Tagesordnung. Pikant ist vielmehr, dass die Genehmigungsbehörde eklatante Planungsmängel rügt. Gegner der Brücke sehen sich in der Auffassung bestätigt, dass Daten zur Umweltbelastung schön gerechnet und unwahrscheinliche Prognosen zu Grunde gelegt wurden. So stellt das RP in einem für das Amtsdeutsch ungewöhnlich offenen Ton den Sinn der Verkehrsschlagader in Frage. Nachdem die Stadt in 13 Jahren ebenso viele Millionen Euro in die Planung investiert hat, will es wissen: „Welches sind die planerischen Ziele der Waldschlößchenbrücke, insbesondere solche, die sich mit Brücken an anderen Standorten (Puschkin-Platz, dritte Marienbrücke) nicht erreichen lassen?“ Zudem fordert das RP eine weitere Lärmuntersuchung für Fetscher- und Charlottenstraße. Vor drei Jahren hatte die Rechtsaufsicht den Bau gekippt, weil unter anderem an der Charlottenstraße der Lärmgrenzwert um bis zu 15 Dezibel überschritten worden wäre.

Damit nicht genug. Das Präsidium verlangt für die Zufahrt zur Brücke zusätzliche Erhebungen zur Abgasentwicklung und fragt lakonisch: „Müssen auf Grund steigender Dieselanteile im Verkehr die Ergebnisse der lufthygienischen Untersuchung korrigiert werden?“ Auch der an den Elbauen flatternde Wachtelkönig wird wieder zum Problem für die Brückenplaner. Sie müssen dem RP beantworten, ob der Bau nicht doch einen erheblichen Eingriff in das Siedlungsgebiet des geschützten Vogels bedeutet.

Dass sowohl das Regierungspräsidium als auch Baubürgermeister Herbert Feßenmayr (CDU) das Papier zunächst nicht kommentieren wollen, ist ein Beleg für dessen Brisanz. Aus dem Umfeld Feßenmayrs heißt es, dass die Stadt noch immer am kommenden Jahr als Termin für den Baustart festhält. Rechtsanwalt Johannes Lichdi, der die Grüne Liga in Sachen Waldschlößchenbrücke vertritt, kann darüber nur lachen: „Das schaffen die nie.“ Behält der Jurist Recht, droht womöglich das Aus für den Brückenschlag. Denn die üppigen EU-Fördermittel für den Bau stehen nur bis 2006 zur Verfügung. „Was danach kommt, weiß derzeit niemand“, sagt Lichdi.

Rechentricks vermutet

Der Anwalt nennt zudem noch ein anderes, womöglich entscheidendes Problem. Die Rechtsaufsicht will nämlich wissen, warum die Stadt bei der Verkehrsprognose für 2015 die Brücke nahe des Puschkin-Platzes berücksichtigt hat. Lichdi: „Dafür gibt es noch nicht einmal eine Planung.“ Der in Dresden lehrende Professor für Verkehrsökologie, Udo Becker, vermutet Rechentricks. Denn die Elbquerung im Westen der Stadt zieht in der Prognose ebenfalls Verkehr an – und entlastet damit in der Theorie die Waldschlößchenbrücke. Kommt die Brücke im Zuge der Erfurter Straße nicht, dürfte das die Vorhersage von bis zu 65 000 Fahrzeugen am Waldschlößchen wackeln lassen.

Ins Wackeln könnte das Bauwerk auch bei einer neuen Flut geraten. Das RP merkt an, dass die Hochwassertauglichkeit der geplanten V-Stützen "streitig" erscheint: "Die Kritik muss aufgegriffen und fachlich fundiert entkräftet werden."

Artikel aus: Sächsische Zeitung (Thilo Alexe) 25. Oktober 2003

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