Waldschlößchenbrücke – Presse-Artikel

Artikel aus: Dresdner Neueste Nachrichten (Heidrun Hannusch) 05. Februar 2004

Rettet den Wachtelkönig - baut die Waldschlößchenbrücke!

Wir kennen schon vieles, was getan wird, um bedrohte Arten zu retten: den Straßentunnel für Kröten, das Jagdverbot von Elefanten, das Dschungelcamp für Promis der D-Klasse, die Nackten der Anti-Pelz- Liga, die Wagenräder auf Telefonmasten als Geburtenförderung für Störche. Dass man aber eine Autobrücke bauen könnte, um eine bedrohte Vogelart zu schützen, darauf wären wir nicht gekommen. Wir sind ja auch keine Fachleute. So wie der Kieler Gutachter, den die Stadt im Herbst vergangenen Jahres beauftragt hatte, sich mit dem Argument der Grünen Liga auseinander zu setzen, die Waldschlößchenbrücke gefährde ein Brutgebiet der bedrohten Vogelart. Sein Gutachten ist jetzt Teil der beim Regierungspräsidium nachgereichten Brücken-Akten.

Zusammengefasst könnte man nach dem Schreiben des Fachmannes zu dem Schluss kommen, dass die Waldschlößchenbrücke Leben retten kann: Das Leben der kleinen Wachtelkönige. Die nämlich sind in ihren ersten fünf Wochen flugunfähig. Und damit in dieser Zeit von den lebenslang flugunfähigen Katzen und Hunden bedroht. Der Gutachter vermutet - ausgehend von einer Hamburger Studie - dass auf den Elbwiesen Katzen streunen. Weil die das in Hamburg auch tun und zwar Kater sogar bis auf 1000 Meter um ihren Wohnort herum. Und in diesem Umkreis lägen doch auch an der potenziellen Waldschlößchenbrücke Wohnhäuser.

Würde der Gutachter den Ort genauer kennen, wüsste er: zwischen streunende Katzen und brütendem Wachtelkönig hat Gott - oder die Verkehrsplaner - stark befahrene Straßen wie die Bautzner Straße und das Kollwitzufer gesetzt. Und die überlebt die zäheste Katze nicht. Aber ungeachtet einer nicht durchgeführten Katzenzählung auf den Elbwiesen, kommt der Mann zu dem Schluss: "Die vorhabensnahen Flächen sollten somit aus Artenschutzgründen für den Wachtelkönig so gepflegt werden, dass sie keine attraktiven Habitatstrukturen für die Brut des Wachtelkönigs bieten." Denn wenn der Wohnplatz nicht mehr attraktiv ist, zieht der Wachtelkönig weiter. Anzunehmen, dass es am nächsten Brutplatz auch Katzen gibt, aber das war ja nicht der Untersuchungsgegenstand. Klar ist zumindest, eine Wiese unter einer Autobrücke ist kein attraktiver Wohnplatz für Wachtelkönige. Der Fairness halber muss angemerkt werden, dass der Gutachter nachsetzt: "Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Anregung zum Wachtelkönig-Schutz unabhängig davon gilt, ob in der Umgebung der Ruferplätze eine Brücke gebaut wird oder nicht." An der Stelle ist aber schon jeder Leser zu dem Schluss gekommen: Bitte, bitte, baut die Brücke, lasst den Wachtelkönig leben! Denn was soll man sonst tun, um die Brut vor den Kampfkatern zu retten? Ein Kraftwerk bauen, damit sich kein Vogel - besonders kein bedrohter - traut, dort zu brüten? Von allein flieht er nämlich nicht aus der Idylle, denn von der Katzengefahr weiß er nichts - bis sie ihn trifft.

Sie passt in die Zeit, diese virtuelle Diskussion. Der Gutachter schreibt von vermuteten Katzen, die Umweltschützer von Wachtelkönigen, die sie nicht gesehen, aber gehört haben. Das sei so bei der scheuen Vogelart, meistens hört man sie nur. Ob allerdings auch Todesschreie von Katzenopfern vernommen wurden, darüber wissen wir nichts.

Aber wir wissen jetzt, dass man, um die Umwelt zu retten, auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen muss. Zum Beispiel Betonflächen anlegen, damit der Rasen nicht zertrampelt werden kann. Alle Tiger in den Zoo stecken, damit sie in Afrika nicht erschossen werden können. Und auf den Straßen so rasant und Stoßstange an Stoßstange fahren, damit sich keine Katze auf die Straße wagt. Womit wir ja auch wieder etwas für den Wachtelkönig getan hätten.

Artikel aus: Dresdner Neueste Nachrichten (Heidrun Hannusch) 05. Februar 2004

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